LOUISE LAWLER, "LOOKING BACK", 2002
Seit etwa zwanzig Jahren gehört das Fotografieren von Kunst zu den wichtigsten Aneignungsverfahren der künstlerischen Praxis von Louise Lawler. Im Mittelpunkt ihrer Aneignungen stehen jedoch nicht "die Werke selbst", sondern die um sie herum organisierten räumlichen, sozialen und ökonomischen Beziehungen. Eine übergeordnete Frage ihres Arbeitens könnte lauten: Was passiert mit einem Kunstwerk, wenn es das Atelier verlassen hat? So sind vor allem ihre Fotografien von Kunstwerken in Galerien, Auktionshäusern, Museen und Sammlungen zu wichtigen künstlerischen Beiträgen in der Diskussion über die Mechanismen der Präsentation und Vermarktung von Kunst geworden. Der die Arbeiten umgebende Raum ist dabei ebenso wichtig wie die Kunstwerke selbst - Möbel, Vitrinen oder Signaturen und Labels werden bei Lawler zu entscheidenden Signifikanten der Rezeption und Wertschätzung von Kunst und machen ihre kontextuelle Bedeutungsverschiebung sichtbar.
Bereits vor sieben Jahren konnten wir Louise Lawler zu einer (schnell vergriffenen) Edition überreden: Damals handelte es sich um die Fotografie eines Auktionsschilds, auf dem der exorbitant hohe Preis eines zum Verkauf stehenden Bildes von Cy Twombly zu lesen stand. Die damalige Arbeit trug den vieldeutigen Titel "Writers should be well paid" - womit in für Lawlers reflexiven Ansatz typisch eleganter Weise zunächst das Wertgefälle zwischen Kunstproduktion und Kunstkritik angesprochen war. Darüber hinaus konnten die Leser/innen und vor allem die Autor/innen dahinter aber auch eine feine Anspielung auf die bei Texte zur Kunst damals übliche Praxis vermuten, dass Autor/innen nicht mit Geld, sondern mit Künstlereditionen bezahlt wurden - inzwischen sind nun beide Zahlungsweisen eingeführt.

