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PEOPLE POLITICS

Um für eine größere Sichtbarkeit von Künstlerinnen zu demonstrieren gingen die Guerrilla Girls 1985 in eine von Kynaston McShine kuratierte Überblicksausstellung im MoMA in New York. Aber identitätspolitische Forderungen haben drei Dekaden später oft einen eher zwiespältigen Charakter. Wir haben eine Reihe von Kuratorinnen und Kuratoren nach einem kurzen Statement zu den „People Politics“ des Ausstellung-Machens gefragt. Wie stellen sie sich zu dem Problem, dass zuweilen eher Identitäten als künstlerische Arbeiten kuratiert werden?

Ein solches Vorgehen wird von den Kuratorinnen der 10. Berlin Biennale, Gabi Ngcobo und Yvette Mutumba als das „othering“ aus einer europäisch-amerikanischen Perspektive kritisiert. Nur spielt die Position des Kurators eben auch eine Rolle bei den von ihm/ihr gesetzten thematischen Schwerpunkten, wie Klaus Biesenbach Kurator der MoMA PS1, New York, resümiert. Erschwerend kommt hinzu, dass Identität auch eine stark einschränkende Zuschreibung ist, wie Egija Inzule, neue Kuratorin der Shedhalle in Zürich erklärt. Sie erinnert dafür an die Rolle des Ostblockkünstlers, die inzwischen aus den europäischen Überblicksausstellungen verschwunden ist. Wenn aber nach wie vor auf Grund von Identität ausgeschlossen wird, warum dann nicht auch auf Grund von Identität einschließen, oder genauer: ausstellen?