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Vorwort

Methodische Postulate haben immer etwas Schematisches an sich. Deshalb liegt der Schwerpunkt dieses Heftes auf der Umsetzung von methodischen Uberlegungen in Kunstkritiken: die logische Fortsetzung des „Methodenstreits", der den Schwerpunkt der vorhergehenden Ausgabe bildete. Dies zeigt sich auch in den „Stimmen zum Methodenstreit", die eingeholt wurden, um nach dem vieldiskutierten Symposium im Dezember letzten Jahres nicht einfach zur Tagesordnung überzugehen und die Diskussion auf einer breiteren Basis weiterzuführen. Auch aus dieserSicht scheint eine Auseinandersetzung mit künstlerischen Positionen wichtig, in der methodische Überlegungen Eingang finden und zugleich die Eigenheit des jeweiligen künstlerischen Ansatzes gewahrt bleibt.

Gemeinsam ist den in diesem Heft versammelten Texten die Konzentration aufjeweils eine künstlerische Position (Armaly, von Bonin, Broodthaers, Ruff), ohne jedoch im klassischen Sinn monografisch vorzugehen. Denn hier steht weniger die Beschäftigung mit Leben und Werk eines Künstlers bzw. einer Künstlerin im Vordergrund — einschließlich der hiermit oft verbundenen Gefahr von Mythenbildung und der Tendenz zur Kanonisierung eben dieses Werks — als vielmehr die detaillierte Analyse einzelner, ausgewählter Arbeiten, von denen ausgehend Rückschlüsse auf den jeweiligen künstlerischen Ansatz und dessen mögliche Verschiebungen versucht werden. Formale Beschreibungen können dabei genauso viel Raum einnehmen wie sozial-geschichtliche Daten. Die Entscheidung da- 1 für, welche Interpretationsrichtung eingeschlagen wird, liegt jedesmal in der Arbeit selbst begründet. So schlägt de Bruyn für Broodthaers eine andere, ergänzende Lektüre als die gängige der Institutionskritik vor, indem er die Bedeutung des Mediums Films innerhalb des Gesamtwerks betont. In den Beiträgen zu Cosima von Bonin und Fareed Armaly geht es um deren jeweils jüngste Ausstellung. Diese stellen für die Kunstkritik schon allein deshalb eine Herausforderung dar, weil sie die Erarbeitung eines begrifflichen Instrumentariums verlangen, das ihrer Komplexität gerecht wird, ohne sie vorschnell auf Schlagworte zu reduzieren. Stefan Römer schließlich zeichnet die in einer neueren Werkgruppe Thomas Ruffs faßbare (nach Auffassung des Künstlers immer latent vorhandene) Politisierung der Fotoarbeiten nach und stellt sie in den Kontext der Geschichte der Montage. Immer sind es die Arbeiten selbst, die diese (Neu-)lnterpretationen nahelegen. Im Unterschied zu revisionistischen Ansätzen geht es hierjedoch nicht darum, bisherige Analysen schlicht durch neue zu ersetzen. Ausgangspunkt ist vielmehr die Feststellung, daß sich nicht nur künstlerische Ansätze in einem Prozeß ständigen Überarbeitens befinden, sondern man entsprechend auch die Kunstkritik, ihr Instrumentarium und ihre Bewertungskriterien immer wieder überdenken muß.

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THOMAS EGGERER/STEFAN GERMER/ ISABELLE GRAW/ASTRID WEGE