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Vorwort

Zweifellos lässt sich derzeit ein Medienhype beobachten, und zwar in den unterschiedlichsten Feldern der Kunst, Wissenschaft und Politik. Davon zeugen zahllose Veröffentlichungen und Veranstaltungen wie auch neue Institutionalisierungs- und Ausbildungsformen, die auf Medien setzen - bei beilspielsweise das „Zentrum für Kunst und Medientechnologie" (ZKM), die Kunsthochschule für Medien, Köln, oder aktuelle wissenschaftliche Forschungsprojekte. Oft bleibt der Begriff der Medien jedoch unbestimmt und hat die Funktion einer Leerstelle. Grund genug, sich diese verschiedenen Formen des Sprechens über Medien einmal genauer anzusehen (Dietmar Dath): Ein Bewusstsein für diese Wissensproduktion zieht sich leitmotivisch durch alle Beiträge. So vorhersehbar diese diskursanalytische Perspektive auch sein mag, so angemessen ist sie; steuert sie doch jener Tendenz zahlreicher Medientheorien von McLuhan bis Kittler entgegen, die „Medien" selbst sprechen zu lassen. Dort herrscht ein ausgeprägtes Begehren nach sozialen, politischen oder ästhetischen Evidenzen, die die Medien scheinbar liefern. Zwar befassen sich diese Theorien mit Medien, aber nicht im Sinne einer Reflexion, sondern in Form von Ableitungen (Jan Engelmann). Auf Reflexion zu insistieren, muß jedoch nicht heißen, die Phänomene selbst außer acht zu lassen. Denn natürlich bedarf es einer Einarbeitung in eine Materie wie „Medienkunst" oder „Netzkunst", um sich ein Urteil über sie zu bilden. Auffällig sind die Hoffnungen, die sich mit Medien wie etwa dem Internet verbinden (Interviews mit Ricardo Dominguez, Geert Lovink und Peter Weibel). Hier werden politische Aktionsformen und Handlungstheorien qua Medium neu signifiziert. Gelegentlich klingen jedoch schon in dem heute kaum mehr gebräuchlichen Begriff „Neue Medien“ anmaßende Gesten und Novitätsemphasen an.

Medientheorie und –kunst sollten hingegen selbst als Medien begriffen werden, die, nach bestimmten Regeln formalisiert, Inhalte und Ideologeme transportieren, die wiederum ihre Herkünfte anderswo - in Kulturkritik oder Kunstgeschichte - haben (Isabelle Graw über Netzkunst, SabethBuchmann über Pipilotti Rist). Von daher erklärt sich auch der Wunsch nach Historisierung (Stanitzek über Medientheorie). Mit Rückgriffen und Umdeutungen operieren auch neue „Genres" wie Cyberfeminismus oder - aktivismus aus einer ebenfalls technologiekritischen Perspektive (Barbara Kirchner über Sci-Fi von Frauen).

Grundsätzlich gilt, dass sich der Einsatz eines neuen Mediums einer Wahl verdankt, die nicht nur medientechnologisch determiniert, sondern in einen sozialen Kontext eingebettet ist. Medien verlangen nach Kontextualisierung – eine Methode, die in ihrer Auseinandersetzung mit dem Komplex Medien an Aktualität gewinnt.

THOMAS EGGERER / ISABELLE GRAW / ARAM LITZEL / ASTRID WEGE