AbraCadereSalubra

Angela Bulloch

AbraCadereSalubra (2009)

Seit dem Jahr 2000 sind würfelförmige Lichtkasten – sogenannte „Pixelboxen“ – zum Markenzeichen von Angela Bulloch geworden. In Anlehnung an die seriellen Strukturen des Minimalismus entwickelte die in Berlin lebende Künstlerin ein skulpturales Modul, das in immer neuen Anordnungen als Grundlage raumgreifender Installationen zum Einsatz kommt. In jeder Pixelbox sind jeweils drei Leuchtstoffröhren enthalten, von denen jede einzelne 256 verschiedene Farbstufen und mittels einer Kontrolleinheit und eigens programmierter Software insgesamt 16.777.216 Farbwerte in variablen Sequenzen erzeugen kann. In der Arbeit „Z Point“ von 2001 etwa spielte Bulloch die letzten acht Minuten und dreizehn Sekunden von Michelangelo Antonionis „Zabriskie Point“ aus dem Jahr 1970 auf einer Wand aus 48 Pixelboxen ab, wobei jede der monochrom leuchtenden Flächen eben nur einen Pixel der filmischen Ausgangsinformation wiedergab und den Filmklassiker so in ein abstraktes, bewegtes Tableau überführte. Serien und Systeme der Erzeugung und Präsentation von Farben standen auch im Zentrum von zwei horizontalen Pixelbox-Arbeiten namens „Chains“ aus dem Jahr 2002, die als Hommage an den Künstler-Künstler André Cadere zwei von dessen eigentlich auf Holzstäben aneinander gereihten Farbpermutationen variierten und rhythmisch abspielten. Diese Farbsequenzen von Cadere, die immer einen „Systemfehler“ enthalten, standen auch Pate für eine Arbeit, die mithin als Vorläufer all jener inzwischen kanonischen Entwicklungen in Bullochs OEuvre gelten kann: „Mastermind Beads“ von 1998. Für ihre Sonderedition von „Texte zur Kunst“ hat Angela Bulloch dieses für ihre Praxis grundlegende Werk in einer Serie von vierzig Unikaten neu aufgelegt. Es handelt sich um Ketten aus von der Künstlerin nach dem Vorbild von fünf Kartoffeln handgeformten Perlen aus Ton, die dann in Zinn gegossen, handbemalt und in sich niemals wiederholenden Varianten einem zuvor festgelegten System entsprechend auf einen Metallfaden aufgezogen werden. Jedes dieser filigran wirkenden, durch ihr Material jedoch überraschend gewichtigen Werke besteht aus 30 glänzenden und halbmatten Perlen, von denen es insgesamt fünf Varianten gibt. Bulloch führt in diesen für „Texte zur Kunst“ entstandenen Objekten gleich zwei Farbsysteme zusammen: Caderes Farbmutation A mit fünf Farben und dreißig Segmenten ist in der Folge von hellen, mittleren und dunklen Farbwerten nur zur Hälfte, aber inklusive des obligatorischen Fehlers, ausgeführt; zusätzlich bezieht Bulloch sich auf das tonale Spektrum der Tapetenserie, die Le Corbusier 1931 für die Schweizer Firma Salubra entworfen hat – und fügt auch hier, wenngleich vom Architekten nicht vorgesehen, jedes Mal einen anderen Fehler in die Ordnung der Musterfarben ein, die anders als bei Cadere die Abstufungen zwischen hell, mittel und dunkel nacheinander für jeden einzelnen Farbton durchexerziert. So entstehen unter den Händen von Bulloch immer neue Varianten und Permutationen von klassischen Farbordnungen der modernen Kunstgeschichte – hier liegt nicht nur der Fehler im Detail.

Für Texte zur Kunst hat Angela Bulloch eine Sonderedition mit dem Titel „AbraCadereSalubra“, 2009, produziert. Es handelt sich um eine Kette mit den Maßen 30 × 1 × 2 cm aus jeweils 30 Perlen, die nach handgeformten Modellen in Zinn gegossen und handbemalt wurden. Die Edition liegt in einer Auflage von 40 +10 Künstlerinnenexemplaren vor, die jeweils auf einem beigefügten Zertifikat signiert und nummeriert sind. Jedes dieser Unikate kostet 580,– Euro zzgl. Versand.