Amelie von Wulffen, "Ohne Titel" (2006)

Amelie von Wulffen

Ohne Titel (2006)

Nach Auftritten auf den Biennalen in Venedig und San Sebastian zeigte Amelie von Wulffen kürzlich museale Einzelausstellungen in Basel, dem Centre Pompidou Paris und dem Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf. Von Wulffens Collagen ist etwas stilistisch Sperriges und Grobes, aber auch ein analytischer -Gestus eigen, der bezeichnend für ihre künstlerische Praxis seit deren Anfängen zu Beginn der neunziger Jahre ist. In ihren Malerei-Fotografie-Collagen rekonstruiert sie private und kollektive Erinnerungen und erweitert sie in einem konstruktivistischen Akt der Bildzusammenlegung zu grenzenlosen, imaginativen und unvollständigen Szenarien. Die Allianz, die in diesem Verfahren die unterschiedlichen Repräsentationssysteme Fotografie und Malerei eingehen, generiert eine eigene Ästhetik, die über eine authentische Selbstentäußerung hinaus die persönliche Erfahrungen in ein Verhältnis zu "gesellschaftlichem Allgemeingut" setzt - so zum Beispiel zu Zitaten aus der Popkultur bis hin zu klassischen Meisterwerken der Kunstgeschichte.- Statt eines utopischen Illusionismus entstehen so suggestive aufgebrochene und imaginativ erweiterte Bilder von Räumen. Wie in einer fiktiven Kamera-bewegung fließen bildnerische Elemente ineinander und schreiben die fotografische Vorlage mit malerischen Mitteln fort. Die Edition, die von Wulffen für "Texte zur Kunst" entworfen hat, ist Bestandteil einer neuen Serie von Schwarzweiß-Fotografien. Das in den Collagen oftmals zentriert angelegte Foto ist hier freigestellt und - im größeren Format - alleiniger Bildträger. Wie in einem Stillleben werden Objekte - wie eine Perlenkette - vor -monochrom schwarzer Fläche in den Vordergrund gekehrt. Diese Form der sachlichen Fotografie hat von Wulffen - konzeptionell den Raumcollagen ähnlich - durch nachträgliche Kolorierung und Mehrfachbelichtung erweitert. Die an impressionistische Stile erinnernde Farbgebung sowie die schattenhafte Wiederholung der Objekte innerhalb des Bildes legen sich wie Schleier auf die Bildoberfläche, so dass eine abstrakte Anordnung entsteht, die die dokumentarische "Wirklichkeit" aufhebt.

Für "Texte zur Kunst" hat Amelie von Wulffen eine Fotografie konzipiert, auf der eine Per--len--kette mehrfach abgelichtet wurde. "Ohne Titel", 2006 ist ein in den Druckfarben Cyan, Magenta und Gelb handkolorierter Silbergelatineabzug auf Barytpapier (Fotolabor Ole -Petscheleit). Die Edition ist signiert und nummeriert und hat die Maße 40 x 50 cm. Sie liegt in einer Auflage von 100 + 20 Künstlerinnenexemplaren vor und kostet 245,- Euro zzgl. Versand.