Christoph Schlingensief, "analoges geröntgtes digitales nichts", 2007

Christoph Schlingensief

analoges geröntgtes digitales nichts (2007)

Christoph Schlingensiefs Arbeit kennt scheinbar keine institutionellen Schranken. Er dreht Filme, arbeitet als Theater- und Opernregisseur, gründete zur Bundestagswahl 1998 die Partei "Chance 2000", drängt mit unkonventionellen Talkshow-Formaten ins Fernsehen und betätigt sich als bildender Künstler - inklusive prestigeträchtiger Galerievertretung und Teilnahme an den Biennalen von Berlin und Venedig. In seinen Aktionen, Aufführungen und Filmen schließt Schlingensief einerseits an die Avantgardebewegungen des 20. Jahrhunderts an, indem er durch die tendenzielle Auflösung der Grenzen zwischen Zuschauern und Zurschaugestelltem auf deren Programmatik einer Vermischung von Kunst und Leben rekurriert. Andererseits steht er aber in ironischer Distanz zum Pathos dieser avantgardistischen Paradigmen, da er nicht nur die Kunst zum Leben machen möchte, sondern die Inszenierung der Wirklichkeit in den Blick nimmt. So stellt sich bei vielen seiner Aktionen die Frage, wie Realität hergestellt und medial vermittelt wird.

Für die "Junge Sonderedition" von "Texte zur Kunst" hat Christoph Schlingensief ein zweiteiliges Objekt entworfen. Zum einen handelt es sich um einen kastenförmigen Salzteigblock, in dem eine Mini-DVD eingebacken ist, die sich in einer Metallbox im Filmdosendesign befindet. Zum anderen ist jedem Salzteigkasten dessen Röntgenbild hinzugefügt. Das digitale Medium DVD lässt sich im Inneren der auf das analoge Medium Film verweisenden Filmdose nur noch durch ihr Klappern wahrnehmen. Der Drang, sie bzw. den auf ihr möglicherweise gespeicherten Inhalt auch zu sehen, wird gleichzeitig geschürt und unterbrochen. Dazu trägt auch die wiederum analoge Aufnahmetechnik des Röntgenbildes bei. Die Röntgenstrahlen können zwar scheinbar weiter in den Kasten eindringen als das bloße Auge, geben aber doch nichts weiter zu sehen als eine gespenstisch leuchtende runde Scheibe.

Christoph Schlingensief hat für die "Junge Sonderedition" von "Texte zur Kunst" ein zweiteiliges Objekt mit dem Titel "analoges geröntgtes digitales nichts" (2007) konzipiert, das aus einer in Salzteig eingebackenen Mini-DVD in einer Metallbox mit den Maßen 12 x 12 x 5 cm und einem Röntgenbild mit den Maßen 24 x 18 cm besteht. Die Edition liegt in einer Auflage von 30 + 8 Künstlerexemplaren vor und ihr liegt ein nummeriertes und signiertes Zertifikat bei. Sie kostet 380,- Euro zzgl. Versand.