permafrost

Manfred Pernice

Dosen-Set: „Permafrost“ (2012)

Das Form-Inhalt-Problem stellt sich bei Konserven auf ganz besondere Weise. Denn was sagt eine Büchse samt ihrer Banderole über den Geschmack der darin eingeschlossenen Nahrung aus? Kein Wunder, dass Manfred Pernice die Grundfragen der Kunst wie die Dichotomie zwischen künstlerischer Gestalt und semantischem Gehalt sinnbildlich in Dosen verwirklicht sieht. Diesen Eindruck bekommt man jedenfalls beim Blick auf das Werk des Bildhauers, das von Dosen leitmotivisch durchzogen wird. Auch die Edition, die Pernice für „Texte zur Kunst“ konzipiert hat, basiert auf zwei Konserven. Der Künstler hat eine leicht doppelkegelige Würstchendose mit schwarzen, roten und gelben Streifen bemalt, den Farben der Anti-Atomkraft-Bewegung. Eine zweite Büchse mit Ananas in Scheiben trägt nun einen Ausdruck von Ferdinand Hodlers Alpenseepanorama „Thunersee mit Stockhornkette“. Der Titel der Arbeit, „Permafrost“, weist darauf hin, dass Pernice mit dieser Zusammenstellung ein zeitgenössisches Memento Mori geschaffen hat: So deutet die an einen Reaktorkühlturm erinnernde Sanduhrform der einen Dose, ein Vergänglichkeitssymbol, das farblich mit der Angst vor radioaktiver Verschmutzung verbunden ist, auf die Hybris hin, mit Technik die Welt beherrschen zu wollen, ohne die Gefahren kontrollieren zu können, während Dauerfrostboden, Kunst und Konserven auf vermeintliche Ewigkeitswerte verweisen. Daraus ließe sich eine grimmige Warnung vor der Ausbeutung von Ressourcen ableiten. Zwar lautet das Motto der Edition „Inhalt konsumieren – Dosen kombinieren“, da die leeren Behälter als Vasen, Stifthalter oder Tischmülleimer genutzt werden können. Doch wenn erst einmal alles aufgegessen – also verbraucht bzw. geschmolzen – ist, bleibt außer etwas Blech nichts übrig. Wohl bekomms!

Manfred Pernice, Dosenset: "Permafrost", 2012, Zwei Konserven, 11,5 × 8,5 × 8,5 cm und 11,5 × 7,5 × 7,5 cm, Auflage: 100 + 20 A.P., signiert und nummeriert, 290,– Euro zzgl. Versand.