Hanne Darboven, "Tagesrechnung" (2004)

Hanne Darboven

Tagesrechnung (2004)

Texte zur Kunst gibt in unregelmäßigen Abständen zusätzlich zum üblichen Editionsprogramm Sondereditionen in kleineren Auflagen heraus, die nicht Teil des Vorzugsabonnements und nicht rabattfähig sind. Für diese Ausgabe hat sich dankenswerterweise Hanne Darboven bereit gefunden, für Texte zur Kunst eine Edition aufzulegen.Hanne Darboven befasst sich in ihren Arbeiten seit vielen Jahren systematisch mit der Visualisierung von Zeitabläufen. Nach einem Malereistudium ging Hanne Darboven 1966 nach New York, wo sie früh in Kontakt mit Künstlern wie Sol LeWitt, Carl Andre, Donald Judd und Lawrence Weiner kam. Zunächst fertigte sie geometrische, konstruktionsartige Zeichnungen auf Millimeterpapier an und entwickelte mit großer Akribie, Disziplin und Sorgfalt unterschiedliche Methoden und Systeme, um Zeit, Zeitläufe sowie ihr Verständnis von Zeit-Raum sichtbar zu machen. So arbeitete sie mit Zahlen, Diagrammen und abstrakter Füllschrift, die einem spezifischen System folgten etwa mathematischen Rechnungen, mit denen sie beispielsweise die Quersummen von Kalenderdaten ermittelte. Obwohl sich Darboven vermehrt gegen jede Etikettierung ausgesprochen hat, betrachteten die meisten Kritiker ihre mit Zahlenreihen und Wörtern angefüllten Blätter unter dem für die Konzeptkunst programmatischen Begriff des "Systems".. Dabei spielt der obsessive Charakter ihres Vorgehens, das subjektive Erfahrungen durchaus mit einschließt, eine ebenso bedeutende Rolle wie zeitgeschichtliche Bezüge. So fanden etwa Materialien der "Bismarckzeit" oder Artikel des Magazins "Der Spiegel" Eingang in ihre Arbeit. Auch in ihrer Edition für "Texte zur Kunst" greift Hanne Darboven auf historische Bilddokumente zurück: Die mit Zahlen beschriebenen Karteikarten sind mit Originalpostkarten aus dem Dostojewski-Archiv beklebt.

Der Digitaldruck mit aufgeklebter Originalpostkarte trägt den Titel "Tagesrechnung",hat die Maße 29,5 cm x 21 cm und ist auf der Vorderseite signiert, datiert und nummeriert. Die Edition liegt in 10 verschiedenen Motiven vor. Die Auflage beträgt 30 Exemplare + 10 Künstlerinnenxemplare.