meese nr. 37

Jonathan Meese

„Nabob zu Nabob = D.A.F. (Menschheit)" (2000)

Mit Performance hat Jonathan Meese gezeigt, dass er gerne die Rolle des Magiers einnimmt - auf seinen Installations-Bühnen gebärdet er sich zuweilen wie ein wild gewordener Derwisch. Seine Vorliebe für Rituale offenbart sich außerdem darin, dass er bestimmte Worte wie Beschwörungsformeln laut wiederholt oder Pappschilder mit Formeln in die Höhe hält, so als wolle er damit die Götter anrufen und versöhnlich stimmen. Konsequenterweise hat Meese für Texte zur Kunst ein Amulett entworfen. Es ist erstaunlich, wie sich Meeses künstlerisches Repertoire in diesen Amuletten mit dem Titel „Nabob zu Nabob = D.A.F. (Menschheit)” verdichtet. Die beiden achteckigen, an einer goldenen Kette oder Kordel hängenden Spiegelglasflächen werden von Holzstücken und Klebstoff grob zusammengehalten, was an Meeses schnell aus Holzstäben gezimmerte Aufbauten erinnert. Auf die Spitze treibt das Amulett auch seinen Kult um die New-Wave-Band D.A.F. (Deutsch-Amerikanische Freundschaft): aufgeklebte Porträts der Musiker mit nacktem Oberkörper und gesenktem Blick. Begleitet werden die Porträts von Aussagen, die die Betrachter/innen unmittelbar adressieren, etwa „Ich gebe Dir ein Stück von mir”. Außerdem gehören zu jedem Amulett auf Papier gedruckte „Sinnsprüche”, die die Bandmiglieder zu Gottheiten erheben, welche der „Menschheit” Weisheiten wie „Verehrt Euren Haarschnitt!” mit auf den Weg geben.