Jensen Edition 2011

Sergej Jensen

Ohne Titel / Untitled (2011)

Zeitgenössische Malerei ist hoch gesättigt mit Geschichte, genauer, mit der Geschichte der vielfältigen Praktiken und Diskurse, die seit der Moderne unter diesem Begriff zusammenlaufen. Und Geschichte ist das, was erinnert und erzählt wird. Das wohl wirkmächtigste Narrativ der Malereigeschichte im 20. Jahrhundert postuliert eine ihr inhärente Finalität, ein mit dem Modernismus erreichtes „Ende der Malerei“ in den 1960er Jahren. In Korrelation zu dieser Gedankenfigur etablieren sich bestimmte malerische Praktiken, in denen dieses „Ende“ als aufgehoben oder doch unendlich herausgezögert erscheint – sei es als melancholische Haltung, sei es in dem infinitesimalen Raum zwischen Objekthaftigkeit und subjektiver Geste, sei es in der selbstreflexiven Rückwendung auf die Historizität der eigenen Verfahren. Die Arbeiten von Sergej Jensen scheinen dieses Narrativ geradezu in sich aufgesogen zu haben. Ohne weiteres als „Malerei“ lesbar, speisen sie sich aus dem dynamischen Verhältnis von Kontinuität und Distanz zu den Traditionen des Malerischen. Jensen näht beispielsweise Bilder aus Stoffflicken, deren Formen einen expressiven Gestus evozieren, zugleich jedoch die pathetisch- subjektive Geste des Malers [sic] außen vor lassen. Er lässt Prozesse eher „geschehen“, als sich als Subjekt zu sehr ins Spiel zu bringen. Er bemalt die Rückseiten der Bildträger, durch die sich die Farbe nur partiell durchdrückt. Er verwendet Materialien wie Bleiche, Diamantstaub, bedruckte Leinenbeutel oder durchscheinenden Nesselstoff; Materialien, die seine Bilder öffnen – für Zufälle, für Assoziationen, für historische Referenzen und damit zu einem „Außen“, auf das sie immer schon verwiesen sind. Für Texte zur Kunst hat Sergej Jensen eine Reihe von kleinformatigen Stoffbildern – jedes davon ein Unikat – mit jeweils einem Schnitt versehen, der anschließend vernäht wurde. Diese geflickten Einschnitte evozieren Augen – „einäugige Bilder“ – vielleicht als beunruhigende Narbe, vielleicht als Verweigerung des Blicks oder als ein kurzes Zwinkern.

Für Texte zur Kunst hat Sergej Jensen aus verschiedenen Stoffen kleinformatige Unikate „Ohne Titel“, 2011 konzipiert. Die Unikate haben unterschiedliche Maße von ca. 20 × 15 cm und sind rückseitig signiert. Die Edition liegt in einer Auflage von 79 + 20 Künstlerexemplaren vor und kostet 350,– Euro zzgl. Versand.