Portrait Isabelle

Thomas Ruff

Porträt 1989 (I. Graw) (1989/2012)

Thomas Ruff gilt als einer der einflussreichsten Fotografen der Gegenwart und das, obwohl er selbst eigentlich kaum noch eine Kamera in die Hand nimmt. Vielmehr hinterfragt der ehemalige Becher-Schüler den Status, den das fotografische Bild im Zeitalter seiner technischen Vervielfältigung und digitalen Distribution heute besitzt. Entsprechend arbeitet Ruff seit einigen Jahren vor allem mit im Internet gefundenem Material, das er mit Computerprogrammen verändert. Dabei geht es Ruff darum, die technischen Bedingungen seines Mediums systematisch offenzulegen: In der Reihe „jpgs“ (2006) z.B. vergrößert er Bilder aus den virtuellen Weiten des Netzes so weit, bis jedes Pixel sichtbar wird und das Motiv hinter seine geometrische Struktur zurücktritt. Für „Texte zur Kunst“ hat Ruff eine Edition konzipiert, die auf seiner Erfolgsserie der „Porträts“ basiert, mit der er Ende der 1980er Jahre seinen internationalen Durchbruch feierte. Wie bei allen Bildern der Reihe, die immer nach den gleichen Prinzipien aufgenommen wurden, zeigt das von 1989 stammende Foto eine Person aus dem Bekanntenkreis von Ruff (in diesem Fall Isabelle Graw): Von den Schultern aufwärts wiedergegeben und vor einem einheitlichen Hintergrund platziert, wird die junge Frau dem Betrachter / der Betrachterin in Frontalansicht präsentiert. Die Strenge der Inszenierung und das gleichmäßige Licht unterstützen die sachlich-neutrale Darstellung der Aufnahme ebenso wie der regungslos-distanzierte Blick der Porträtierten. Die Person erscheint so fast anonymisiert, wodurch der Fokus auf den formalen Charakter des Bildnisses gelenkt wird und sich die Frage ergibt, in welchem Verhältnis Abgebildetes und fotografische Abbildung generell stehen.

Thomas Ruff, „Porträt 1989 (I. Graw)“, 1989/2012, C-Print, 30 × 22 cm, Auflage: 150 + 20 A.P., rückseitig signiert und nummeriert, 290,– Euro zzgl. Versand.