Gerhard Richter

Ulrike Meinhof (2015)

Gerhard Richters Edition für unser Jubiläum ist selbst eine Art Rückblick: Mit ihr stellt er seinem „Jugendbildnis“, das chronologisch am Anfang seines RAF-Zyklus von 1988 steht, eine Fotografie gegenüber: einen auf Alu-Dibond aufgezogenen Abzug vom Originalnegativ desjenigen Porträts Ulrike Meinhofs, das Richter im Hamburger Pressearchiv aus einer Reproduktion im „Stern“ kopiert hatte und das zur Vorlage für sein Gemälde wurde. Die Fotografin Inge-Maria Peters (die die Edition mitsigniert) schoss das Porträt am 10. Oktober 1966 für die Kolumne der „Konkret“, die Meinhof zu dieser Zeit schrieb, bevor sie vier Jahre später in den terroristischen Untergrund abtauchte. Meinhof ist zur Zeit der Aufnahme 32 Jahre alt und zweifache Mutter. Die gestochen scharfe Fotografie inszeniert die Journalistin im Stile eines Schauspielerporträts vor schwarzem Hintergrund – mit entschlossenen Zügen, zugleich in sich ruhend und konfrontativ dem Betrachter/der Betrachterin zugewandt. Für die Edition wieder aufgegriffen, ist das Bild als Kommentar zu lesen: Insofern es im kollektiven Gedächtnis kaum mehr vom „Jugendbildnis“ zu trennen ist, evoziert das Foto einen vergleichenden Blick, einen Blick hinter die Unschärfe des Gemäldes und dessen Annäherung an altmeisterliche Ikonografie, die der Künstler, wenngleich bereits in der Originalaufnahme angelegt, malerisch potenziert hat. Erlaubt das Foto heute, fast 30 Jahre nach Entstehung des Gemäldes und fast 40 nach Meinhofs Tod, einen unverstellteren Blick auf die Geschichte, einen Ausweg aus der Unmöglichkeit ihrer Darstellung? Das Foto verharrt nicht im Sekundären, sondern wird selbst zum Tableau erhoben. Es wird zur zeitlichen Klammer um das Gemälde, ihm vorangehend, ihm nachfolgend, ihm gleichgestellt.

Pigmentdruck auf 308 g/m² Photorag auf Alu-Dibond, Blattgröße: 51 × 50 cm, Bildgröße: 33 × 33 cm, Auflage: 120 + 15 A.P., rückseitig nummeriert und signiert, € 5800,– zzgl. Kunsttransport.