97_A.Singer_Edition

Avery Singer

Untitled (Study) (2014/2015)

Menschliche Körper werden zu geometrischen Formen, Puppen oder Maschinen transformiert; künstliche und gebrochene Lichtspiele in einen Bildraum projiziert; kubistische Kompositionen auf Leinwände gebannt: Die Arbeiten Avery Singers sind deutlich am modernistischen Formenvokabular geschult. Doch dass diese Problemstellungen keineswegs lediglich vergangenen Jahrhunderten angehören, zeigt schon allein die Tatsache, dass die Simulation von Lichtbrechung bis heute zu einer der größten Herausforderungen digitaler Animationsfilm- und Computerspieltechnologie gehört. Singer konstruiert ihre in geometrische Einzelteile heruntergerechneten Figuren in einem 3-D-Freeware-Programm, um sie anschließend mit Airbrush-Technik und Klebeband auf großformatige Leinwände zu übertragen. Die graustufigen Arbeiten stiften Verwirrung über ihre eigene Materialität ebenso wie über die des Dargestellten: der Figuren, die wie aus Papier geschnitten wirken und doch, wenn nicht als Individuen, so als Charaktere gelesen werden können. Häufig sind hier, wie in der Serie „The Artists“, in karikaturesker Typisierung Figuren aus der Kunstwelt abgebildet, die ihrem Tagesgeschäft nachgehen, im Studio oder im Café sitzen, Performances oder Fotoshootings abhalten.Singers Edition für Texte zur Kunst zeigt eine Raumstudie mit doppelter Lichtquelle: ein Close-up einer weiblichen Figur im Viertelprofil, sich die Haare richtend. Auf Gesicht, Haaren und der Wand im Hintergrund erzeugt das Licht verschiedenste Abstufungen der Schattierung, belebt die digital generierten Flächen und taucht die Szene in eine träumerische wie theatrale Stimmung. So flirrt das Bild zwischen Wärme und Coolness, Nostalgie und größtmöglicher Aktualität.

Ditone Print, 45,7 × 61 cm, Auflage: 100 + 20 A. P., rückseitig nummeriert und signiert, € 350,– zzgl. Versand.