Die Mächte des Falschen

[1]

Sven Lütticken, der zuletzt den Aufstieg „alternativ-rechter“ und neofaschistischer Medienaktivisten beleuchtet hat, setzt seine Untersuchungen hier fort. Er verfolgt darin den Einfluss kybernetischer Ideen – von der Datenverarbeitung im Kalten Krieg bis hin zur akzelerationistischen Logik von Nick Lands „Dunkler Aufklärung“ – auf das derzeitige politische Klima.

Lütticken entwirft dabei das Bild einer multitemporalen Gegenwart, in der die Zukunft zur Geisel einer Art kybernetischer Steuerung geworden ist, die nur der Wahrheit des Simulakrums, den (Deuleze’schen) Mächten des Falschen, verpflichtet ist.

1. Kybernetischer Aktionismus

Es war die sogenannte immaterielle Arbeit, die uns in diese Lage gebracht hat. Nach den Wahlen in den USA haben sich Künstler/innen, Intellektuelle und Medienmenschen abwechselnd und bipolar in Selbstbeschuldigung und Beschuldigung „der anderen“ geübt – die anderen sind in diesem Fall die Konservativen oder Rückwärtsgewandten, die vermeintlich in einer (imaginierten) Vergangenheit hängen geblieben sind, nicht willens oder in der Lage, eine diversere und inklusivere Gesellschaft zu akzeptieren.

Insofern zeigt sich hier implizit eine historische Periodisierung, in der die Zäsur im Übergang von einer Form der Arbeit zu einer anderen begründet ist: von der industriellen und manuellen Arbeit zur kognitiven und kreativen Arbeit zur affektiven Arbeit und so weiter. Als klar wurde, dass sich eine gewaltige Gegenbewegung gegen die „liberale Elite“ aufgebaut hatte, berichteten die Medien verstärkt aus dem Rust Belt und rückten die Stimmen der dortigen, unter den Veränderungen leidenden weißen Bevölkerung in den Vordergrund. In Situationen, in denen populistische, fremdenfeindliche oder neofaschistische Bewegungen auf dem Vormarsch sind, sind die Mitglieder des Kommentariats – in den USA wie in Europa – genötigt, sich mit denen auseinanderzusetzen, die im deutschen Diskurs auch „Modernisierungsverlierer“ genannt werden.

Die aktuellen Konflikte nehmen eher die Form von Kulturkämpfen an als die von Klassenkämpfen; auch wenn Zeichen und Symptome ökonomischer Konflikte überall sichtbar sind, werden sie im Verlauf ihrer Artikulierung oftmals kulturalisiert. „Die Mauer wird die Immigranten fernhalten, die uns unsere Arbeitsplätze wegnehmen, und überhaupt sind das alles Vergewaltiger, Extremisten und Mörder“ – so oder so ähnlich verläuft die Rhetorik. Mehr noch als in den USA wird in Europa Migration durch die Schablone von das Abendland überrollenden muslimischen Horden wahrgenommen. Wie ich an anderer Stelle dargelegt habe, sind Tendenzen des zeitgenössischen Neofaschismus genau in dem Maße erfolgreich, wie sie eine Identität jenseits sozio­ökonomischer Kategorien anbieten. [2]

Darin sind sie ein pervertierter Spiegel der liberalen Medien, die sie so gerne angreifen; Medien, deren semiotische Arbeiter/innen Identität und Positionierung oftmals eher als Verschiebung statt als Erweiterung von Fragen der sozialen Gerechtigkeit betrachtet haben.

Barrikade in Paris, Mai 1968

In einem früheren Essay habe ich die heutige Politik des Medienaktivismus, der fake news und der fabrizierten Skandal- und Empörungswellen in Bezug auf die Genealogien des Avantgarde-Aktionismus analysiert und dabei darauf verwiesen, dass Adorno mit eben dem Begriff des „Aktionismus“ die Aktivitäten der postsituationistischen Aktivisten-Künstler-Intellektuellen abschätzig beschrieb. Denn bereits Ende der 1960er Jahre wurden Gruppen wie die SI in Frankreich, die Subversive Aktion in Deutschland und die niederländische Provo als Vorhut des general intellect betrachtet – der eine neue Art von Klasse formte, nämlich das aufkommende kollektive Subjekt der immateriellen Arbeit. Für Provo war angesichts der Tatsache, dass die Arbeiterklasse im Kleinbürgertum (oder Klootjesvolk) aufgegangen war, der Klassenkampf alter Schule nicht mehr praktikabel. Es ist nicht ohne historische Ironie, dass eine arbeitslose (weiße) Angestellte heute ebenso sehr immaterielle Arbeiterin sein kann wie ein Medienprofi oder eine Künstlerin – und Memes erstellt, fake news weiterleitet, Kommentare postet und so semiologische Guerillakriege anzettelt (und zugleich Wert für die Social-Media-Plattformen generiert).

Auch zeigt sich an Phänomenen wie der sogenannten Gamergate-Kontroverse und dem Aufstieg der Alt-Right-Bewegung, dass der digitale general intellect nicht unbedingt einen Kader aus progressiven Revolutionären/Revolutionärinnen hervorgebracht hat, sondern auch eine Armee von Trollen, bereit, ihre freie Arbeitskraft für Onlinemissbrauch und die Verbreitung von Hass aufzuwenden. Wenn diejenigen, die vom neoliberalen „kognitiven“ Kapitalismus profitiert haben, sich heute über fake news beschweren, dann sprechen sie von etwas, das ebenso sehr ein Produkt dieses Regimes ist wie das ihres eigenen Lebensstils.[3]_

Einige Alt-Right- und neofaschistische Provokateure beanspruchen ganz explizit das Erbe der Gegenkultur und der neoavantgardistischen Bewegungen der 1960er und 1970er Jahre für sich. Nicht wenige Beobachter/innen und Teilnehmer/innen haben die Taktik der US-amerikanischen „alternativen Rechten“ mit den Medienaktionen der Yippies in Verbindung gebracht.

Ex-Breitbart-News-Redakteur und Ex-Twitter-Berühmtheit Milo Yiannopoulos spricht mit Vorliebe von den „regressiven Linken“ und führt ausdrücklich Punk als historischen Vorläufer für seine Mediencoups an (ob er wohl Leser von Greil Marcus ist?)[4]_ ; in Deutschland hatte der rechtsextreme Publizist Götz Kubitschek einst eine Gruppe namens Konservativ-Subversive Aktion gegründet, die darauf abzielte, öffentliche Auftritte sogenannter Alt-Linker zu stören. Inzwischen ist Kubitschek zu so etwas wie der grauen Eminenz hinter dem AfD-Extremisten Björn Höcke aufgestiegen. [5]

Auch wenn der gegenwärtige Aktionismus noch immer auf die voluntaristische Version des dialektischen Denkens zurückgreifen mag, die dem Aktivismus der 1960er Jahre zugrunde lag, ist heute die Form der immateriellen Arbeit, die er annimmt, nur noch teilweise menschlich. Fast unmöglich, dass sich Nachrichten etwa über Hillary oder über Flüchtlinge nicht in verschiedenen Graden des Fakts oder des Fakes multiplizieren und mutieren würden, bedenkt man den Weg aller Information durch die Kreisläufe der integrierten Arbeit von Mensch und Maschine, von menschlichen Trollen und Bots, von Wahlkampfstrategien und algorithmischer Zielgruppenansprache. [6]

Hartmut Bitomsky und Harun Farocki, „Die Teilung aller Tage“, 1970, Filmstill

Mit anderen Worten: Wir haben es mit einer scheinbar unwahrscheinlichen Fusion von Aktio­nismus und Kybernetik zu tun. Letztere ist als die „Wissenschaft der Steuerung oder Vorhersage zukünftiger Handlungen“ nach ihrer Entstehung im Zweiten Weltkrieg und ihrer Blütezeit im Kalten Krieg eng mit dem Aufstieg der Automatisierung und Kontrolle durch Echtzeit-Datenverarbeitung verbunden. [7]

In den 1960er Jahren wurden sogar Versuche unternommen, das neue Paradigma der Kybernetik mit dem dialektischen Materialismus zu vereinbaren und umgekehrt: Hartmut Bitomskys und Harun Farockis Film „Die Teilung aller Tage“ (1970) zeigt die beiden Filmemacher dabei, wie sie Arbeitern didaktische Kurzfilme vorspielen. Farockis Gespräche mit den Arbeitern über die Implikationen der Filme waren sowohl als dialektische Interventionen wie als aktionistischer Einsatz einer Form des Feedbacks gedacht. [8]

Ein solcher dialektischer Aktionismus kollidierte jedoch oft mit dem kybernetischen Paradigma selbst. Wenig überraschend wandten sich viele Linke gegen die Kybernetik, die ihnen als entpolitisierte Disziplin erschien, und die dem – von der Linken oftmals befürworteten – Ansatz direkt entgegenwirkte, Aktionen durchzuführen, die vom System nicht vorhergesagt oder vereinnahmt werden konnten.

Die Situationisten etwa hegten keinen Zweifel daran, dass die Kybernetik lediglich der Stabilisierung des Kapitalismus dienen könne und eine immer gleiche, nur schlimmere Zukunft schaffen würde. [9] Die Gruppe verschrieb sich dagegen einer Kunst transformierender Aktionen: „Die Aufgabe unserer Epoche ist es nicht mehr, poetische Anweisungen zu schreiben, sondern diese auszuführen“,[10]_ schrieb sie und stellte damit zugleich klar, dass „Poesie“ hier (gegen den Informationismus) nur sehr wenig mit dem zu tun hat, was in Gedichtbänden abgedruckt ist; genauso wenig, wie an irgendeine zeitgenössische Variante der klassischen revolutionären Bewegung als ernsthafte Alternative zur herrschenden Organisation des Lebens angeknüpft werden konnte.

An deren Stelle sollte vielmehr die Kunst ein dialektisches, historisches Spiel werden – nicht um eine bolschewistische Parteilinie durchzusetzen, sondern als Behauptung der menschlichen Fähigkeit, Geschichte zu machen. Heute nimmt die „Überwindung der Kunst“ ganz andere Formen an: Figuren wie Ai Weiwei oder Richard Prince sind in ihrem Modus Operandi den Trollen oder Twitterbots strukturell sehr viel ähnlicher als jedem Künstler der Vergangenheit. [11] Wie man auf eine Weise agieren und reagieren kann, die über solchen katastrophalen Erfolg hinausgeht, bleibt die Frage des Tages, des Jahres, des Jahrzehnts.

2. Akzelerationen, Spekulationen

Wenn der kybernetische Aktionismus von heute in einer Genealogie des Avantgarde-Voluntarismus verortet werden kann, kann er auch mit derjenigen Sorte des neokybernetischen Aktivismus in Verbindung gebracht werden, die in den 1990er Jahren mit Nick Land, Sadie Plant und der Cybernetic Culture Research Unit aufkam.

Mit seinem Aufsatz „Dark Enlightenment“ aus dem Jahr 2012 und den damit zusammenhängenden Texten wurde Land zu einem intellektuellen Stammvater der „alternativen Rechten“. In seinen Enthüllungen darüber, wie Demokratie und ihre grundlegenden Ideale der Aufklärung den Untergang bringen, kritisiert Land das, was er als das utopische linke „Programm der globalen genetischen Vermischung“ und dessen Vision eines „einheitlichen ‚menschlichen‘ Genpools, der mit wachsendem Eifer zu einer homogenen Mischung verrührt wird“, ansieht. Doch in Anbetracht einer inzestuösen globalen Oberschicht und angesichts der Fortschritte in der Gentechnik fällt dieser Traum oder Alptraum heute ebenso sehr in sich zusammen wie die althergebrachten Fantasien über die Erhaltung der Reinheit der „traditionellen“ Rassen. Lands dunkle Aufklärung geht so weit, eine neofeudale, beinahe Tolkien’sche Hierarchie der Rassen wiedereinzuführen oder diese Rassen gar zu verschiedenen Spezies zu erklären. [12]

Lands Logik zufolge ist die Genpool-Vermischung das Programm einer dialektischen Linken, die als mediale und akademische Elite im Namen des Fortschritts Konflikte schürt; die Konflikte schafft, um den Konflikt letztlich zu überwinden. „Kaum ein Element des gesellschaftlichen ‚Überbaus‘ ist der dialektischen Rekonstruktion entronnen, sei es durch Antagonismus, Polarisierung, binäre Strukturierung oder Umkehrung“, schreibt Land. „Mehr Dialektik heißt mehr Politik, und mehr Politik bedeutet ‚Fortschritt‘ – und einen sozialen Drift nach links.“ [13]

Hans Holbein,„Mobiles Büro“, 1969

Bereits in seinen weithin einflussreichen Texten aus den 1990er Jahren hatte er alles Dialektische abgelehnt und prophezeit, dass „die menschliche Intelligenz durch den kommenden techno sapiens an den Rand gedrängt“ werde. Sich dabei auf Deleuze und Guattari beziehend, argumentierte er, dass „wenn [die Maschine] immanent als kybernetische Technik integriert wird, sie jede Widerständigkeit zu einem nichtlinearen Strom umformt. Es gibt keine Dialektik zwischen sozialen und technischen Beziehungen, sondern nur einen Maschinismus, der die Gesellschaft in die Maschinen auflöst, während er die Maschinen über die Trümmer der Gesellschaft deterritorialisiert, deren ‚allgemeine Theorie […] eine generalisierte Theorie der Ströme [ist]‘; das heißt: Kybernetik.“ [14]

Statt der oben angesprochenen normativen Kybernetik der Stabilisierung, der Homöostase, machte sich Land eine Kybernetik der Mutation, der Eskalation und der Akzeleration zu eigen. Die techno-sozio-politische Maschine von heute ist deren armselige Implementierung: Die Online-Echokammern sind der Super-GAU einer Rückkopplungsschleife positiven Feedbacks. Doch Lands frühere Arbeit findet heute auch Widerhall in bestimmten linken Projekten, nicht zuletzt in Nick Srniceks und Alex Williams’ Form von Akzelerationismus.

Die beiden britischen Theoretiker haben ihre Position außerdem mit einer gewissen Strömung der spekulativen Theoriesimulation zusammengeschlossen, die der Linken vorwirft, zu sehr der Moderne und dem Zeitgenössischen verhaftet zu sein und nicht für die und von der Zukunft aus denken zu können. Eines der schwindelerregenderen Land’schen Elemente in Srniceks und Williams’ spekulativ-akzelerationalistischem Mix ist der Begriff der „Hyperstition“ (Überglaube) – ein Konzept, das auch das Thema von Christopher Roths Film „Hyperstition“ von 2015 ist, in dem sprechende Köpfe sich darüber auslassen, wie „das Denken [der Hyperstition] sich der gegenwartformenden kühnen Interventionen in die Bedingungen der kybernetischen Herrschaft bemächtigt, die Kontingenz verhindern“. Darin wird uns verkündet, dass „Hyperstitionen nicht imaginär sind, sondern virtuelle Fiktionen, die in der chaotischen Entfaltung des Realen verortet sind“; dass sie „eine eigene Realität hervorbringen“ und dass sie „die Zukunft [materialisieren], die von jenseits der Schwelle des Verständnisses herströmt“. [15]

Wie die Rhetorik dieser Passage nahelegt, könnte man Hyperstition – abseits aller Lovecraft’schen Effekthascherei – vor der Folie der Bergson-Deleuze’schen Ontologie betrachten: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft existieren nicht in chronologischer Abfolge, sie koexistieren vielmehr; das aktuelle Bild koexistiert mit seiner virtuellen Projektion. Dies wird in „Kino 2“ im Kapitel über die „Mächte des Falschen“ diskutiert, wo Deleuze argumentiert, dass das Nachkriegskino mit den letztlich naturalistischen Konventionen des klassischen Hollywood-Kinos bricht, indem es falsche Bewegung einführt, indem es sich der Mächte des Falschen bedient, um zu transformieren, um neue Formen einzuführen; die ultimative Macht des Falschen ist dabei „das Gute, das Großzügige“.[16]_

Deleuzes Gedanke weist eine eigenartige, aber produktive Spannung auf: Er ordnet zugleich das Historische dem Ontologischen unter, während er Letzteres „denaturalisiert“; er insistiert darauf, dass die Allianz mit dem Werden – mit der Differenz und der Zukünftigkeit gegenüber der Geschichte – eine Allianz mit dem Falschen bedeutet, mit dem Simulakrum, mit dem, was keinem Modell oder Archetyp folgt. In der heutigen Post-Internet-spekulativ-akzelerationistischen Filterblase läuft die Zukunft Gefahr, nur ein weiteres nerviges Meme zu werden, das nur von Tag zu Tag, von Unterhaltung zu Unterhaltung fortbesteht. Die Mächte des Falschen sind damit zu trostlosen Projektionen immer weiter schwindender Optionen geworden, kaum aufgewogen durch fingierte Visionen wiederhergestellter „Größe“ der ehemals Halbprivilegierten.

Den Umschlagpunkt markierte 1972 der Club-of-Rome-Bericht „Die Grenzen des Wachstums“. Diese Studie nutzte ein Weltmodell; mithilfe der Computerleistung des MIT wurden unterschiedliche Szenarien durchgerechnet, konnten mögliche Zukünfte visualisiert werden, indem verschiedene Parameter angepasst wurden, die den Zusammenbruch des globalen Ökosystems beschleunigten bzw. verlangsamten. Das letzte Kapitel des Berichts beschäftigte sich damit, wie ein nachhaltiges Gleichgewicht erreicht werden könnte, sofern bis Mitte der 1970er Jahre die entsprechenden politischen Richtlinien implementiert würden, und warnte davor, dass bei einer Verzögerung der wachstumsregulierenden Maßnahmen bis ins Jahr 2000 das Gleichgewicht „nicht mehr nachhaltig“ sei.[17]_

Grafik aus „Die Grenzen des Wachstums“, Studie des Club of Rome, 1972; rechts: Polnische Nationalisten verbrennen Facebook-Flaggen, 2016

Im Jahr 2017, unzählige ergebnislose Klimaprotokolle später, haben die Umbrüche der Globalisierung einen Präsidenten hervorgebracht, der – natürlich – per Twitter verbreitet hat, dass der Klimawandel ein Hoax sei, für den die Chinesen verantwortlich seien. Man kann dies als einen Rückschritt in ein unbestimmtes finsteres Mittelalter betrachten; die heutigen neofaschistischen und identitären Bewegungen stützen sich aber größtenteils auf Nostalgie, um eine breite Basis zu formieren sowie ein Narrativ über eine kommende, sich bereits als anbahnend verstandene Katastrophe zu schaffen. Auch für die Faschisten ist die Zukunft gerade im Begriff, über uns zu kommen wie eine biblische Plage – hier jedoch wird das Ereignishafte des Anthropozäns auf Immigranten/Immigrantinnen, den Islam und eine hysterisch gewordene politische Korrektheit bezogen. Willkommen im Trumpozän.

Ein Großteil des Neofuturismus aus dem kulturellen Feld mündet derweil in eine trostlose Kultur des Falschen – in der Kunstwerke wie fake news zirkulieren. Man könnte etwa an Christopher Kulendran Thomas’ „New Eelam“ (2016) denken, das von den Kämpfen der Tamilen in Sri Lanka um regionale Autonomie (ein Konflikt, der den Bürgerkrieg in Sri Lanka von 1983–2009 auslöste) zu einer Art kosmopolitischem Wohnungstauschmodell mit „liquider Staatsbürgerschaft“ springt, in dem angeblich die Utopie des unerreichbaren Tamilen-Staates realisiert sei. [18]

Die Arbeit zirkuliert wie ein Meme, indem sie sich genau dadurch in Gespräche eingeschlichen hat, dass sie auf konkrete (in diesem Fall historische) Referenten verweist, ohne letztlich wirklich Sinn zu ergeben. Das ist Hyperstition als fake news. Dies steht im selben Verhältnis zur Land’schen Hyperstition wie der „real existierende Sozialismus“ zur Idee des Kommunismus. Die Arbeit funktionierte trotzdem auf eine Art: als eine Form des kapitalistischen Realismus, als Eins-zu-Eins-Reflexion über das gegenwärtige globale politökonomische Durcheinander, hier vor dem Hintergrund der 9. Berlin Biennale, jener Echokammer, die alles auf den Zeichenwert reduzierte und in der alle Kämpfe in semiotische Arbeit verwandelt wurden, um so eine gewisse transnationale Infrastruktur zu stützen.

Im vergangenen Sommer des Jahres 2016 gab es offenbar keinen Grund zu der Annahme, dass die Geschichte sich zurückmelden würde – und dass sie aus genau derselben Zukunft zurückkehren würde, auf die sich die Wundermittelhändler des Post-Spekulo-Akzelerationismus immer wieder bezogen. Hier Armen Avanessian im Gespräch mit Suhail Malik für das DIS magazine im Vorfeld der bb9: „Es gibt für uns keine lineare Zeit mehr, in dem Sinne, dass auf die Vergangenheit die Gegenwart folgen würde und dann die Zukunft. Vielmehr ist es genau umgekehrt: Die Zukunft ereignet sich vor der Gegenwart, die Zeit erreicht uns aus der Zukunft.“ [19]

In seinem mystifizierenden Register sagt es der Autor hier ganz richtig; zukünftige Umschlagpunkte schlagen auch schon in der Gegenwart Wellen. Wissenschaftliche Projektionen vermengen sich mit utopischen und eschatologischen Vorstellungen. Der Glaube, dass die „Klimaerwärmung ein Schwindel ist“, ist ein „alternativer Fakt“, der zur Fortsetzung des schonungslosen Raubbaus notwendig ist, der genau den Prozess beschleunigen wird, der damit in Abrede gestellt wird. Rassistische Chiffren über eine Zeit, in der Amerika great war, können kaum verhüllen, dass neue Hierarchien auf der Grundlage der alten geschaffen werden (wenn auch nicht immer identisch mit diesen).

Und genau an dieser Stelle bietet Nick Land eine gute Orientierungshilfe für die realen ideologischen und politischen Tendenzen. Die andauernden Versuche mancher spekulativer Akzelerationisten, den späteren Land zu normalisieren, sind eine furchteinflößende Erinnerung daran, wie sehr bestimmte Elemente des general intellect – darunter auch einige mit Anerkennung in der Kunstwelt – in den Aufstieg des Neofaschismus verstrickt sind.

Und Lands Vorliebe für das Extreme und Symptomatische kann in der Tat aufschlussreich sein: darin etwa, wie sehr es im Einklang steht mit Aussagen wie der von Peter Thiel, dass Freiheit und Demokratie inkompatibel seien; womit der Silicon-Valley- und Trump-Wahlkampf-Geldgeber seinen Zweifel ausdrückte, ob ein Rand’scher Libertarismus in einer Welt möglich sei, in der auch „Sozialleistungsempfänger“ und Frauen das Wahlrecht genössen. Thiel finanzierte außerdem Pläne für künstliche Inselstädte für jene Angehörige der Elite, die bereit wären, zur „Seenahme“ von Steuerparadiesen die amerikanische Staatsbürgerschaft aufzugeben – Thiels neues Eelam. [20]

Luftaufnahme von Peter Thiels Anwesen in der Glendu Bay, Lake Wanaka, Neuseeland

Land’sche Untertöne lassen sich auch in der Reaktion auf eine neue Welle der Automatisierung wahrnehmen, die immer mehr Formen der menschlichen Arbeit überflüssig macht; insbesondere in dem Beharren des linken Akzelerationalismus darauf, dass die Vollautomatisierung letztlich den dialektischen Umschlagpunkt bieten werde, der ein Ende der Arbeit nach sich ziehen würde und damit auch die allgemeine Akzeptanz eines bedingungslosen Grundeinkommens. Letzteres ist natürlich auch im Silicon Valley eine populäre Vorstellung, denn der Konsum darf auch in einer Gesellschaft nach der Abschaffung der Arbeit nicht gehemmt werden.

Paradoxerweise schafft gerade die unerbittliche Linearität gewisser historischer Entwicklungen – Automatisierung genauso wie Wüstenbildung, steigende Arbeitslosigkeit und steigende Meeresspiegel – unvorhersehbare (das heißt konkurrierende, interferierende) Formen der Rückkopplung in der Gegenwart. Dabei treten diese jedoch stets in Gestalt historischer ideologischer Vorstellungen auf.

Während die Zahl der potenziellen Zukünfte geschwunden ist und die Zukunft als virtuelle vor ihrer Zeit aktualisiert wurde, nimmt die gegenwärtige (Vorstellung der) Zukunft die Form eines darwinistischen Verteilungskampfs an. Wir leben in einer Zeit, in der progressive und inklusive soziale Vorstellungen im globalen Ringen gegenüber neofaschistischen Einhegungen verlieren.

In einer solchen Situation gilt es, Fragen nach der Handlungsmacht künstlerischer Aktionen, nach den Wirkungen von Protest und der Organisierung von Kulturarbeitern ohne Größenwahn oder selbstgeißelnde Ohnmachtsbekundungen zu beurteilen.

3. Formen und Fiktionen

Einige marxistische Theoretiker greifen mit Eifer die Kunst für ihren Mangel an direkter sozialer und politischer Handlungsmacht an, bemerkenswerterweise, ohne ihre eigene Theorieproduktion derselben Kritik zu unterziehen. Doch um es klar zu sagen: Ästhetische Praxis muss nicht die Form direkter sozialer Aktion annehmen oder Aufruf zur Aktion sein; Kunst ist nicht notwendigerweise diskreditiert, wenn sie für Potenzialität statt für augenblickliche Aktualisierung spricht.

Man nehme z. B. Sean Snyders jüngsten Beitrag zum Nach-Wahl-Dossier von Grey Room: ein „Bericht über verdächtige Aktivitäten“ per E-Mail an das US-amerikanische Heimatschutzministerium, in dem Snyder eine paranoide Welt aus Zeichen und Antizipationen skizzierte und (entweder als er selbst, der Künstler, oder als seine E-Mail-Persona) beschrieb, wie einem Mann auf der Straße in Washington, D. C., „von einem Angreifer ein rot-weiß-blaues Trinkeis aus den Händen geschlagen wurde“ und wie es so auf den Asphalt spritzte, dass es „aussah wie [Pollocks] Lavender Mist in der Smithsonian National Gallery of Art“. „Das Erscheinen eines Gemäldes des von der CIA unterstützten Künstlers kündet womöglich von einer drohenden Krise“, warnte Snyder in seiner E-Mail. Mit seinen kryptischen Verweisen auf eine „abgesagte Ausstellung über die Angriffe des Kalten Krieges, das Phänomen des Trompe-l’œil und die Kunst der Täuschung“ legt der Autor es scheinbar darauf an, sich selbst auf eine Beobachtungsliste zu setzen. [21]

Das Dossier von Grey Room – das auch argumentativere Texte etwa von Zachary Formwalt, Fred Lonidier, Simon Leung und Martha Rosler enthält – ist selbst ein formales und soziales Arrangement, eine Konstellation, die das Spektrum vom wunderbar Solipsistischen bis zum explizit Politischen abdeckt (mit ein paar Beispielen völliger Idiotie als Zugabe). In der heutigen Kunst gibt es eine starke Auseinandersetzung mit der Form, auch mit den Formen der Aktion, Formen des Widerstands, der Selbstorganisation, der Selbstkonstitution. Der künstlerische Aktivismus nimmt dabei oft die Form kollektiver Institutio­nskritik an (z. B. Occupy Museums, Gulf Labor). Derartige Kritik zielt auf die vorgegebenen Strukturen, die (durch systemische Ausbeutung und Gewalt) die Praxis und die Subjektivität prägen. Organisiere dich selbst, bevor andere dich organisieren. Diese Art der Aktion zeigte sich zuletzt in der Form eines Kunststreiks als Protest gegen Trumps Amtseinführung; der pussy-grabber ist das Vietnam von heute. [22]

Der aus seiner Virtualität im Archiv der nicht realisierten Zukünfte reaktualisierte Streik der Kunst (der einigen als der künstlerische Ableger des „Generalstreiks“ gilt) legte hier, für die Dauer des Tages der Amtseinführung, seine Bedeutung produzierende immaterielle Arbeit offen zur Schau. Wie problematisch sie auch sein mögen, wirken solche Gesten dennoch der Normalisierung und dem business-as-usual an der Stelle der Arbeit entgegen und schaffen immerhin einen Anschein – ein Bild, ein Simulakrum – von verschiedenen Bedeutungen und alternativen Formen des Austauschs sowie von Zusammenarbeit in einem stark kompetitiven Feld, in dem es vor allem um Distinktion geht. [23]

Lara Staal und Jonas Staal, „Congress of Utopia“, 2016

In der aktuellen Situation sind symbolische Kämpfe um eine (schlechte) „Politik als Folklore“ gegen (gute und erhabene) akzelerationistische Begriffe ebenso unproduktiv wie schematische Gegenüberstellungen von (bloß) kritischem und (wirklich) spekulativem Denken.

Es bedarf theoretischer wie praktischer Organisation; vorausweisender Selbstkonstitution ebenso wie geschriebener und bildlicher Formen, die sich der unmittelbaren Umsetzung widersetzen. In dieser Hinsicht erschien es sehr passend, dass Jonas und Lara Staals „Congress of Utopia“, der im Herbst dieses Jahres kurz vor den amerikanischen Wahlen stattfand, sich mit der utopischen Tradition gerade in ihrem Oszillieren zwischen literarischer Imagination und politischem Programm beschäftigte, durch Graswurzel-Organisation und Parteiaufbau und künstlerische Performance. Der Kongress, der in einem Setting stattfand, das auf dem Modell von Constants „Ambiance de départ“ von 1959 basierte, bot eine disjunktive Synthese aus imaginären Ansichten und nüchterner, kompromissloser Praxis.

Wie in den 1960er Jahren bringt uns der derzeitige politische Augenblick in eine Situation, in der „neue Formen der Aktion“ und neue organisatorische Formen so unbedingt notwendig sind, wie sie sich zu entziehen scheinen. „Der Sinn der Organisation ist ihr Scheitern“ lautet der Titel eines Buches, das Dokumente der Gruppe Subversive Aktion aus den 1960ern versammelt, mitherausgegeben von dem einstigen Mitglied Frank Böckelmann (der dieser Tage Tiraden gegen die Horden von Migranten/Migrantinnen und die globalistische Vermischung der Kulturen publiziert). [24]

Die Leichtfertigkeit dieses Titels erscheint in mancherlei Hinsicht völlig obsolet: Fraglos werden die nächsten Jahre – ob in Europa oder in den USA – durch Kämpfe um grundlegende Menschenrechte geprägt sein, und jedes Scheitern wäre eine absolute Katastrophe, nicht ein unterhaltsames Experiment. Doch was Erfolg oder Scheitern ausmacht, ist aus der Sicht der Kunst nicht unbedingt offensichtlich.

Es mag verlockend sein, manchmal sogar notwendig, die erfolgreichen Medienaktivismus-Taktiken der alternativen Rechten zu imitieren, doch in gewisser Weise sind deren Kampagnen selbst pervertierte Versionen der taktischen Medien­praktiken, die in den 1990er Jahren aufkamen; eine weitere genealogische Wendung, mit der sich kürzlich eine Gruppenausstellung mit dem Titel „As If“ beschäftigte, die am Tag von Trumps Amtseinführung eröffnete und den historischen Aktivismus der „taktischen Medien“ mit neueren Projekten kombinierte, etwa mit Ian Alan Pauls „Guantanamo Bay Museum of Art and History“. [25]

Während die Verdienste historischer Figuren – wie die der Yes Men oder des Netzkunst-Duos Ubermorgen, das sich Späße mit den Mainstream-Medien erlaubte – im Hinblick auf die jüngsten Entwicklungen neu beurteilt werden müssten, war der Schwerpunkt der Ausstellung sehr richtig auf aktivistische Medienkunst gelegt, die in einem postfaktischen Kontext Formen der Fiktion und fiktive Formen verwendet. Eine weitere halbintentionale taktische Medienaktion könnte in diesem Zusammenhang diskutiert werden: der Augenblick, in dem Glenn Beck 2010 auf Fox News wie in Zungen gegen den „bösen“ „kommenden Aufstand“ des Unsichtbaren Komitees redete.

Fraglich ist, ob dies eher dem Unsichtbaren Komitee half (die Verkäufe schnellten in die Höhe) oder tatsächlich das Narrativ des Senders stärkte, beides aber ist Teil der Aktion: Das Ereignis war eine unvorhersehbare Form der Rückkopplung, die, angeschoben durch die sorgsam geschaffene Gestalt des Unsichtbaren Komitees, praktisch ebenso Becks Verschwörungstheorie wie die These des Buches bestätigte.

Allzu oft wird linke intellektuelle Arbeit im Sinne eines eher verarmten Begriffs der Aufklärung verstanden: als Prüfen der Fakten angesichts der Lügen der Rechten, als Aufdecken der Wahrheit. Und eindeutigen Lügen muss natürlich entgegengetreten werden.

Aber diese bloß reagierende Position, diese ständige Polizistenrolle verspielt das Potenzial der Linken. Die neofaschistischen Rechten verlegen sich derweil auf die Arbeit der Ideologie: Sie sind gute Handwerker und sie nehmen diese Arbeit ernst. Auch auf der progressiven Seite gab es Momente eines neuen Narrativs: Die Stärke des Memes der 99 Prozent lag darin, dass es den Menschen erlaubte, ihre soziale Realität anders als durch faschistische Trennungen zu benennen.

Auch wenn sie faktisch – statistisch – gesehen zutraf, war die Behauptung, dass wir die 99 Prozent sind (die zusammen weniger besitzen als die obersten 1 Prozent), natürlich auch ein Schwindel; wie bei jeder kollektiven Behauptung dieser Art handelte es sich um eher performativen als deskriptiven Gebrauch der Sprache. Dadurch wurde eine neue kollektive Figur geschaffen, größer im Maßstab als das Unsichtbare Komitee.

Derzeit gilt es, verschiedene Maßstäbe zugleich zu erproben, vom Trinkeis-Spotting bis zum Organisationen-Schaffen; es gibt nicht die eine Taktik, die die magische Antwort auf all unsere Probleme wäre. Heute, da das Falsche in einer düsteren neuen Realität der alternativen Fakten aktualisiert wurde, könnte eines der Projekte gerade darin bestehen, den Fake zu falsifizieren: fiktionale Formen und ästhetische Falschheiten einzusetzen, die andere Rückkopplungen bieten und die Manifestation anderer Zukünfte ermöglichen.

Übersetzung: Robert Schlicht

Sven Lütticken unterrichtet Kunstgeschichte an der Vrije Universiteit Amsterdam und Theorie am Dutch Art Institute. Sein Buch "Cultural Revolution: Aesthetic Practice after Autonomy" ist soeben bei Sternberg Press erschienen.

Erschienen in Ausgabe #105 von Texte zur Kunst (März 2017) https://www.textezurkunst.de/105/

Anmerkungen

[1]Tolkien Fan Art
[2]„Who Makes the Nazis?“, in: e-flux journal, 76, 2016, http://www.e-flux.com/journal/76/69408/who-makes-the-nazis/.
[3]Vgl. auch Evgeny Morozov, „Fake News sind ein Symptom des digitalen Kapitalismus“, in: Süddeutsche Zeitung, 19. Januar 2017.
[4]Vgl. http://www.breitbart.com/milo/2016/09/22/milo-louisiana-state-being-a-trump-supporter-is-the-new-punk/; Yiannopoulos hat einen Link zu diesem Artikel auf Facebook gepostet und ihn mit dem Kommentar versehen: „Wir sind jetzt die Gegenkultur.“.
[5]Kubitschek war bei Höckes berüchtigter Rede anwesend, in der dieser das Holocaust-Mahnmal in Berlin als Denkmal der Schande bezeichnete; er entschuldigte sich später auf http://sezession.de/56961/.
[6]Zur Mythenbildung über die Rolle der Data-Mining-Firma Cambridge Analytica beim Sieg Trumps vgl. http://littleatoms.com/news-science/donald-trump-didnt-win-election-through-facebook.
[7]Orit Halperns Definition findet sich in: Beautiful Data. A History of Vision and Reason since 1945, Durham/London 2014, S. 41.
[8]Vgl. Tom Holerts Text „On Die Teilung aller Tage (1970) and Eine Sache, die sich versteht (15x) (1971)“, der in seiner Ausstellung „Learning laboratories“ am BAK, Utrecht, (2016–17) auslag.
[9]Hito Steyerl, „If You Don’t Have Bread, Eat Art! Contemporary Art and Derivative Fascisms“, in: e-flux journal, 76, 2016, http://www.e-flux.com/journal/76/69732/if-you-don-t-have-bread-eat-art-contemporary-art-and-derivative-fascisms/.
[10]S. I., „All the King’s Men“, Internationale Situationniste, 8, 1963; dt. Übers.: http://www.si-revue.de/all-the-king’s-men.
[11]Prince macht das in den verstörenden Kommentaren explizit, die er seinen „New Portraits“ hinzufügt; als beeindruckend großzügige Interpretation vgl. Jerry Saltz, „Richard Prince’s Instagram Paintings Are Genius Trolling“, in: Vulture, 23. September 2014, http://www.vulture.com/2014/09/richard-prince-instagram-pervert-troll-genius.html.
[12]Nick Land, „Hyper-Racism“, in: Outside in, 29. September 2014, http://www.xenosystems.net/hyper-racism/.
[13]Nick Land, The Dark Enlightenment, Teil 1, http://www.thedarkenlightenment.com/the-dark-enlightenment-by-nick-land/.
[14]Nick Land, „Circuitries“ (1992), in: #Accelerate: The Accelerationist Reader, hg. v. Robin Mackay and Armen Avanessian, Falmouth/Berlin 2014, S. 256f.
[15]Aus dem Werbetext zum Film in dis magazine, http://dismagazine.com/blog/77351/hyperstition-truth-is-science-is-fiction/.
[16]Gilles Deleuze, Kino 2. Das Zeit-Bild, Frankfurt/M. 1991, S. 188.
[17]Donella H. Meadows u. a., The Limits to Growth. A Report for the Club of Rome’s Project on the Predicament of Mankind, 2. Aufl., New York 1972, S. 169. Vgl. auch Pedro Neves Marques, „Whose Limits? The Generational Continuum (1972–2015)“, in: Former West. Art and the Contemporary After 1989, hg. v. Maria Hlavajova/Simon Sheikh, Cambridge MA/London 2017, S. 369–377.
[18]Vgl. auch Anselm Franke/Ana Teixeira Pinto, „Post-Political, Post-Critical, Post-Internet: Why Can’t Leftists Be More Like Fascists?“, in: Open! online, 8. September 2016, http://onlineopen.org/post-political-post-critical-post-internet.
[19]Armen Avanessian/Suhail Malik, „The Time-Complex. Postcontemporary“, in: DIS ­magazine, http://dismagazine.com/discussion/81924/the-time-complex-postcontemporary/.
[20]JK Trotter, „What Does Peter Thiel Want?“, in: Gawker, 21. September 2016, http://gawker.com/what-does-peter-thiel-want-1784039918. Land über Thiel vgl. Teil 1 von „The Dark Enlightenment“.
[21]Sean Snyder, „Trompe-l’œil“, in: Grey Room Post-Election Artistic Dossier, Supplement zu Grey Room, 65, 2016, o. S.
[22]Eine der sichtbareren, aber auch problematischeren Aktionen war die Initiative Dear Ivanka, bei der Künstler/innen, deren Arbeit sich in der Sammlung von Trumps Tochter Ivanka Trump und ihrem Ehemann Jared Kushner befindet, über das (angebliche) Missverhältnis zwischen den Werten ihrer Kunst und jenen der neuen amerikanischen First Family sprachen. Während bei Dear Ivanka die grundlegende Taktik der Institutionskritik zum Einsatz kam, die politischen und ökonomischen Verstrickungen der Kunstwelt offenzulegen, wirkte die Initiative wie eine harmlose Form des Verbraucher-Feedbacks (oder vielmehr: des Produzenten-Feedbacks an die Verbraucher) von Künstlern, die sich nur wenig Gedanken über diese Fragen gemacht hatten, bis es zu spät war.
[23]Vgl. auch Coco Fusco, „Why an Art Strike? Why Now?“, in: Hyperallergic, 10. Januar 2017, http://hyperallergic.com/350529/why-an-art-strike-why-now/.
[24]Frank Böckelmann/Herbert Nagel, „Nachwort“ (2001), in: Subversive Aktion. Der Sinn der Organisation ist ihr Scheitern, Frankfurt/M. 2002.
[25]Vgl. http://framerframed.nl/en/exposities/expositie-as-if-the-media-artist-as-trickster/.