Anne Imhof

Untitled (2017)

Als Edition für TEXTE ZUR KUNST reproduziert Anne Imhof ein Motiv aus ihrer aktuellen (und inzwischen preisgekrönten) Arbeit auf der diesjährigen Venedig-Biennale. Der 106 x 78 cm große Siebdruck ist ein Porträt der Künstlerin Eliza Douglas, die in vielen von Imhofs Performances eine wesentliche Rolle spielt. So auch in „Faust“, der fünfstündigen Aufführung, mit der sie seit Anfang des Monats den deutschen Pavillon besetzt. In einer Glaskonstruktion, die in den Pavillon eingezogen wurde – und die mehr ist als ein Blick hinter die Bühne, die eine Aufführungsfläche frei von Rückzugsmöglichkeiten bildet, überwachend und total –, ruft „Faust“ verschiedene Motive dessen auf, was „deutsch“ ist im Pop (nicht zu verwechseln mit Pop auf Deutsch; man denke an Joy Division, nicht Rammstein).

Das Bild zeigt Douglas beinahe in Lebensgröße, ihr nackter Oberkörper ist zur Hälfte von ihrem angewinkelten Bein verdeckt, ein Tattoo des Buchstabens A markiert ihren Oberarm, ihr Mund ist geöffnet, vielleicht singt sie. Dabei geht ihr Blick allerdings aufmerksam, fast provozierend in die Kamera. Von der Aufnahme geht eine Ambivalenz aus, sie ist Angebot und Konfrontation, involviert die Betrachter/innnen und stößt sie zurück.

Der Siebdruck basiert auf einer Fotografie von Nadine Fraczkowski, die während der Proben für die Venedig-Performance entstand und dort wiederum auch ausgestellt wird. Zeitlich und räumlich überschneiden sich hier Kunstmachen und Nichtsmachen mit Freundinnen, Ausgestellt- und Alleinsein. Das silbergraue Bild von Douglas wirkt, als wollte Anne Imhof die möglichen Factory-Vergleiche aufgreifen; nicht wenige sprechen von Douglas als der Edie Sedgwick unserer Zeit.

Siebdruck (Acryl) auf Papier, 106 x 78 cm, Auflage: 60 + 15 A.P., rückseitig nummeriert und signiert, € 680,- zzgl. Versand.