Jeff Wall Edition

Jeff Wall

Corner Store (2010)

Jeff Wall hat seine Kunst wiederholt als Erneuerung und Befragung des ästhetischen Programms einer „peinture de la vie moderne“ mit fotografischen Mitteln beschrieben. Ende der 70er Jahre wurde der in Vancouver lebende Künstler mit großformatigen Farbdiapositiven in Leuchtkästen weltweit bekannt und hat seither wie kein anderer das Verständnis der Fotografie verändert und geprägt. In seinen Tableaus verbindet Wall, der auch als Autor grundlegender kunsthistorischer Studien zur Kunst der Nachmoderne hervorgetreten ist, streng kalkulierte, mitunter beklemmende Kompositionen, die im Studio inszeniert und am Computer manipuliert werden und an die klassischen Genres der Landschafts-, Porträt- und Historienmalerei anknüpfen, mit einer Reflexion auf die aktuellen sozialen und politischen Bedingungen des zeitgenössischen urbanen Lebens. In eben diesem Sinne verortet Wall seine Arbeiten an der Schwelle zwischen Bildtradition und deren Kritik durch die (Neo-)Avantgarden, um so selbstreflexive wie engagierte Geschichtsbilder für die Gegenwart zu produzieren.

Für seine Sonderedition für „Texte zur Kunst“ hat Jeff Wall eine aus vier Silbergelatine-Abzügen bestehende Arbeit mit dem Titel „Corner Store“, 2009, entwickelt, in der er mit dem Format einer prosaischen Reportage experimentiert, in der die Poesie und Atmosphäre eines konkreten Ortes jenseits der erzählerischen Strukturen des klassischen Foto- Essays eingefangen werden. In Vancouver stieß Wall zufällig auf einen alten Eckladen, wie er zunehmend im Verschwinden begriffen ist. Zunächst fotografierte er ihn aus der Distanz eines Spaziergängers. In dieser Aufnahme fungieren wie so oft bei Wall Passanten als Repoussoir-Figuren. Daran schloss er einen genaueren Überblick der Spezifika von Umgebung und Architektur an, indem er zuerst die Fassade und Ostseite, dann die Rück- und Westseite sowie schließlich den kleinen provisorischen Anbau an der Rückenfront des Gebäudes in brillanten Schwarzweißfotografien festhielt. Fern allen essayistischen Sentiments entsteht so ein kontemplatives Dokument der urbanen Erfahrung eines marginalen Lokals, das dem Betrachter abverlangt, seine ästhetische Aufmerksamkeit auf den eigenen kulturellen Ort und den Akt des Sehens selbst zu richten.

Für Texte zur Kunst hat Jeff Wall eine Arbeit, bestehend aus vier Silbergelatine-Abzügen, mit dem Titel „Corner Store“, 2009, produziert. Die signierte und nummerierte Edition hat je Fotografie die Maße von 35 × 28 cm (bei einer Motivgröße von 18 × 18 cm) und liegt in einer Auflage von 50 + 20 Künstlerexemplaren vor. Sie kostet 2000,– Euro zzgl. Versand.