David Lieske, „NAVIGATING THE ATMOSPHERE“, 2007

David Lieske

Navigating the atmosphere (2007)

Mit der „Jungen Edition“ bieten wir unseren Sammler/innen besondere Auflagenobjekte von solchen Künstler/innen an, deren Arbeit wir seit längerer Zeit mit Aufmerksamkeit verfolgen, kritisch begleiten und für sehr vielversprechend halten. Mit „jung“ ist natürlich bei der Bezeichnung dieser Reihe nicht unbedingt das biologische Alter gemeint – es geht vielmehr um Positionen, die sich erst seit kürzerer Zeit auf dem Kunstmarkt etablieren.

Der in Berlin lebende Künstler David Lieske, der unter dem Namen Carsten Jost auch als Musiker reüssiert und zudem das Hamburger Label „DIAL“ mitbegründet hat, ist in den letzen Jahren mit raumgreifenden Installationen, Filmen, skulpturalen Arrangements und Fotografien bekannt geworden. Oftmals gehen die auf die Verfahren und Ästhetik der historischen Konzeptkunst anspielenden Arbeiten Lieskes eine humorvoll gebrochene Allianz mit unterschiedlichen formalen Referenzsystemen wie Mode, Archäologie, Architektur und Reitsport ein.

Für die „Junge Edition“ von „Texte zur Kunst“ hat David Lieske eine Arbeit konzipiert, in der er die konzeptuelle Vorgehensweise der „Mail Art“ – das heißt des Vertriebs des auf eine nüchterne schriftliche Aussage reduzierten Kunstwerks auf dem Postweg – mit der Idee der individuellen Ansprache des Kunstwerks an seinen Betrachter/Besitzer verbindet. Nach Eingang der Bestellung der Edition bei „Texte zur Kunst“ bringt ein von Lieske beauftragter Kalligraf die Adresse des Käufers in geschwungener Schreibschrift per Hand auf einen Briefumschlag. Dieser enthält eine Karte, auf der folgender ebenfalls kalligrafierter lateinischer Schriftzug zu lesen ist: „Hoc scripsi, non otii abundatio, sed amoris erga te.“ („Ich schreibe dieses nicht, weil ich Muße im Überfluss habe, sondern aus Liebe zu Ihnen.“). Karte und Umschlag sind in dem Weißton „Chamois“ gehalten und erinnern auch deswegen an die exklusiv gestalteten Einladungskarten zu Defilées, wie sie von großen Modehäusern an „besondere Kunden“ verschickt werden. Hier allerdings ist dem Briefumschlag eine Kopie der Rechnung des Kalligrafen über das Honorar zur Beschriftung von Karte und Umschlag beigelegt, die mit den Stempeldrucken „Rechnungskopie“ und „bezahlt“ versehen ist. Der Umschlag samt Inhalt wird per Post dem Käufer der Edition zugestellt. In diesem Vorgehen konfrontiert Lieske die „Ästhetik der Administration“ der klassischen Konzeptkunst mit einer emotional aufgeladenen, aufwendig per Hand niedergeschriebenen Botschaft, die sich einzig an den Empfänger zu richten scheint. Dabei unterminiert der Umstand, dass nicht der Künstler selbst, sondern ein auf Honorarbasis beschäftigter Kalligraf die trotz des emphatischen Gehalts mithin nur scheinbar individualisierte Nachricht für jeden Käufer identisch niederschreibt, jeden Anspruch auf eine Unmittelbarkeit der Kommunikation – was der Wirkung dieser künstlerischen Gefühlsbekundung beim Adressaten aber sicherlich keinerlei Abbruch tut.

Für Texte zur Kunst hat David Lieske eine Arbeit mit dem Titel „navigating the atmosphere“ (2007) konzipiert. Sie besteht aus einem Briefumschlag, einer Briefmarke, einer Briefkarte und einer Rechnungskopie. Das Briefformat misst 21,7 x 11 cm. Der Edition liegt ein signiertes und nummeriertes Zertifikat bei. Sie liegt in einer Auflage von 50 + 10 Künstlerexemplaren vor und kostet 245,– Euro zzgl. Versand.