Jana Euler, „Die individualisierte Editionsnummer besichtigt das
subjektive Fenster (Bild) und guckt auf ein Stück der Welt“, 2013

Jana Euler

Die individualisierte Editionsnummer besichtigt das subjektive Fenster (Bild) und guckt auf ein Stück der Welt (2013)

Jana Eulers Malereien wurden im Rahmen des gegenwärtigen Diskurses um die Reflexion von Netzwerken beschrieben. Dasich soziale Beziehungen kaum anders als in Form menschlicher Agenten visualisieren lassen, erscheint es nur logisch, dassEulers Leinwände häufig Menschen abbilden. In ihren Ausstellungen spannte sie große Bögen halbtransparenter Folie auf undpositionierte sie so im Raum, dass sie den Blick der Betrachter/innen auf die Malereien behinderten. Als Ergebnis wird dasSehen hervorgehoben und Sichtbarkeit thematisiert – ein zentrales Anliegen im Feld der Netzwerke, wo Bedeutung sich ausVerknüpfungen generiert, die zuerst wahrnehmbar sein müssen.Für ihre Edition für „Texte zur Kunst“ hat Euler eine Komposition, die sie mit Tinte auf Papier gesprüht hat, in einen Offsetdruckübertragen. Das Motiv offenbart Gesichtszüge, fragmentiert und neu arrangiert: Zwei Lippenpaare vertreten die Augen,ein Ohr bildet die Nase, ein Auge öffnet sich zum Mund. Prominent in die ungefähre Mitte des Blattes gesetzt, blickt es aus demBild heraus und lässt an der Stelle der Iris einen dahinterliegenden farbigen Kartenausschnitt erkennen. Wie einige ihrer jüngerenArbeiten – besonders ihre Serie „The Body of the Exhibition“ (2012) – positioniert Eulers Edition das runde Bild innerhalbder Andeutung eines geometrischen, architektonischen Rahmens. Der mit jedem Blatt wechselnde Kartenausschnitt und dieNummer der Edition, mit Airbrush aufgesprüht, sind von Hand hinzugefügt. Als Besucherin einer fiktiven Ausstellung blickt dieZahl im Vordergrund durch das Bild der verschobenen Sinne und Verhältnisse auf ihren je eigenen Ausschnitt der Welt.

Offsetdruck, Collage, Airbrush, 110 × 75 cm, Auflage: 50 + 20 A. P., vorderseitig per Hand mit Acryl nummeriert und rückseitig signiert.