"40.000"

Gerhard Richter

40000 (2008)

Gerhard Richter zählt unbestritten zu den einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Seit den sechziger Jahren untersucht Richter in seinem umfangreichen Oeuvre die Möglichkeiten und Funktionen der zeitgenössischen Malerei. Der Fundus massenmedialer Bildwelten dient dem in Köln lebenden Künstler dabei ebenso als Ausgangspunkt wie traditionelle Genres – etwa das Historienbild, Portrait, Stillleben, romantische Landschaftsansichten oder die Paradigmen der modernen Abstraktion im Spektrum zwischen Monochromie und Expression.

Die Bilder, die nach den im berühmten „Atlas“ des Malers katalogisierten fotografischen Vorlagen entstehen, und deren Oberflächen Richter häufig verwischt oder in abstrakte Strukturen überführt, setzen ihre abbildende Funktion, mithin auch die politischen, sozialen und kulturellen Implikationen, die die jeweiligen Bildtopoi transportieren, ins Verhältnis zu der Eigenwertigkeit von Malerei. Entsprechend ist Richters Werk von einer prekären, beständig neu zu bestimmenden Balance zwischen Repräsentation und Selbstreferenzialität gekennzeichnet. Seine monochromen Leinwände und nichtgegenständlichen Gemälde bewegen sich so in einer Dialektik zwischen individuellen Setzungen und der konzeptuellen Nüchternheit einer auf die eigene materielle Beschaffenheit konzentrierten täglichen Praxis des Malens.

Richters seit 1966 entstehende Serie von „Farbtafeln“ reduzieren kompositorische Entscheidungen programmatisch auf ein Minimum und beschränken sich auf die Vorführung eines Farbrepertoires in zufälliger Anordnung. An dieses Prinzip schließt nicht nur das von Richter gestaltete Glasfenster im Kölner Dom an, das im vergangenen Jahr eine intensive Diskussion über das Verhältnis von zeitgenössischer Kunst und Religion anstieß, sondern auch seine aktuelle Edition für „Texte zur Kunst“: „40000“. Der Titel dieses Offsetdrucks verweist auf die Anzahl der in ihm enthaltenen Quadrate in Schwarz, Weiß und unterschiedlich abgestuften Grautönen, die sich wiederum zu einer quadratischen, abstrakten Fläche ordnen. Die Verteilung dieser Bildeinheiten basiert auf einem digitalen Losverfahren, dessen Parameter im Vorfeld allerdings genau bestimmt werden. Die Arbeit setzt eine ästhetische wie konzeptuelle Dynamik zwischen Zufall und Planung, kalkulierter Komposition und gestalterischer Subjektivität in Gang, die auch in der Entscheidung des Künstlers zum Tragen kommt, die Auflage der Edition in vier Variationen zu unterteilen, die aus einer Drehung des Blatts um jeweils 90° resultieren.