Josephine Pryde

I for one (2015)

Ein Foto von Josephine Pryde ist nie nur ein Bild von etwas – das Werk der in Berlin lebenden britischen Künstlerin durchmisst die gesamte materielle und diskursive Bandbreite dessen, was als „Fotografie“ gelten kann. Ob Pryde sich nun der Sprache der Porträtfotografie oder der medizinischen Bildgebung, des analogen Fotogramms oder des digitalen Gicléedrucks bedient – die Verortung eines Bildes in diesem Spektrum ist stets von Bedeutung. In ihrer Edition „I for one“ erscheint Paris stellvertretend für das goldene Zeitalter des Ich, die Moderne: hier in Gestalt eines Eiffelturm-Souvenirs, das die edelsteinbesetzte Hülle eines von zwei iPhones ziert. Barthes nannte den Turm „[d]ieses reine, beinahe leere Zeichen“; eine poröse Struktur, dabei doch Aussichtspunkt und Quelle von Aussendungen, die die Betrachter/innen zu Technikern und Technikerinnen erhöht oder herabwürdigt. In Prydes Fotografie dürfte es eine Frau sein, die die Technik bedient. Der rote Nagellack signalisiert Nachwuchsführungskraft: Kommunikation ist hier weniger Entrückung als Luxus und Qual zugleich. Das Bild wurde in der Nachbearbeitung mit einem goldenen Hintergrund schöpferisch aufgewertet und auf metallisch hochglänzendes Papier gedruckt. Der handgezeichnete schwarze Rahmen ist dem Rand eines iPad-Bildschirms nachempfunden. Doch ist Prydes Bild größer als ein Tablet und dreht sich nicht automatisch mit; vielmehr soll es dauerhaft an die Wand gehängt werden, vielleicht auch hinter Glas. Wie ein/e clevere/r Sammler/in sagen könnte: „I for one“, ich für meinen Teil lese es als Symbol für das, was immer schon passé ist – als Eingeständnis, dass der Anspruch der Fotografie dem „Es-ist-so-gewesen“ gilt.

Inkjet Print auf Tecco Iridium Silver Gloss ISG250, 43 x 31,5 cm, Auflage 100 + 20 A.P., rückseitig nummeriert und signiert, € 350,- zzgl. Versand.