Joe Bradley

Family (2017)

Im Zeitalter der Meme und des digitalen Feeds, der die unermüdliche Übermittlung ständig neuer Informationen, Meinungen, semiotischer Bedeutungen geradezu erzwingt, steht Joe Bradleys Werk für eine weniger fieberhafte visuelle Ordnung. Der im südlichen Maine geborene Künstler, der seit 2000 in New York lebt und arbeitet, schafft Gemälde und Zeichnungen, die mit bluesiger Nonchalance Tragik, schwarze Komik und Unbeschwertheit zu einem ganz eigenen Tonfall verschmelzen. Erkennbar ist das etwa in den ausgedehnten Zonen heftigen und oft pastosen Farbauftrags auf seinen großen Leinwänden. Auf den ersten Blick erinnert Bradleys Stil an Dubuffet oder Guston; grobe Formen ordnen sich zu vertrauten Gestalten, die Geschichten voller, manchmal bissigem Humor erahnen lassen.

Für seine Edition für „Texte zur Kunst“ hat Bradley einen schwarz-weißen Siebdruck angefertigt, dessen Motiv er seiner kürzlich begonnenen Serie von Zeichnungen menschenähnlicher Comicfiguren entnommen hat. In „Family“ (2017) tritt der für die Arbeiten in dieser Manier charakteristische, von Philip K. Dick oder R. Crumb inspirierte satirische Stil zutage. Schwarze Tintenstriche umreißen auf weißem Papier eine Leiter, die zu einem Hochbett führt, auf dem sich diverse merkwürdige Gestalten unter einer Decke verkrochen haben; zwei Paar Füße sind schnell entdeckt, die anderen zwei erst bei näherem Hinsehen. Eine Familie teilt sich ein Hochbett: Zwei Kinder haben sich wohlig eingemummelt, während die Erwachsenen nebeneinander im Liebesakt wie aufeinandergestapelt wirken.

Siebdruck auf Papier, 48,3 x 61 cm, Auflage: 80 + 20 A.P., rückseitig nummeriert und signiert, € 350,- zzgl. Versand.