Paul Chan, „After Oh Monica“, 2008

Paul Chan

After Oh Monica (2008)

Paul Chan hat sich in den letzten Jahren mit viel diskutierten Projekten – zuletzt etwa einer Inszenierung von „Waiting for Godot“ in New Orleans – als einer der sichtbarsten Vertreter einer neuen US-amerikanischen Künstlergeneration etabliert. Parallel zur Präsentation großformatiger Animationen im Kunstbereich, in denen sich Mythologie, moderne Medien- und Popkultur, apokalyptische Szenarien und Referenzen auf outsider artists verbinden, tritt der New Yorker Künstler auch als Autor kritischer Essays und als politischer Aktivist in Erscheinung. So produzierte er etwa im Zusammenhang mit seinem Engagement gegen die Invasion des Iraks (semi-)dokumentarische Videos, die auf seiner Website www.nationalphilistine.com ebenso zu finden sind wie frei zugängliche Computerfonts. Als Chans bis dato prominenteste Werkgruppe gilt sein Zyklus „The 7 LIGH TS“, der aus einer Reihe von auf den Boden oder in Raumecken projizierten Schattenfilmen besteht, in denen schemenhafte Objekte des Alltagslebens und Motive der Kunst- und Religionsgeschichte im freien Fall oder schwebendem Aufstieg zu sehen sind.Für „Texte zur Kunst“ hat Paul Chan eine Arbeit konzipiert, die dem Kontext seines neuesten Projekts entstammt, das den Marquis de Sade zum Ausgangspunkt nimmt. Der Druck „After Oh Monica“ gibt einen auf den Kopf gestellten, pornografischen Kupferstich aus dem späten achtzehnten Jahrhundert zu sehen, der partiell von anthropomorphen Flächen überlagert wird, die entfernt an die Körperlichkeit abstrahierenden Formensprachen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts erinnern. Die Farbpalette basiert dabei durchgängig auf dem Farbton Cyan und damit auf jenem Blaugrün, das in Farbfotografien und -drucken am längsten dem – zur Zeit de Sades metaphorisch mit der Philosophie der Aufklärung assoziierten – Sonnenlicht standzuhalten vermag.Die am unteren Rand des Blattes platzierte, libidinös aufgeladene Textzeile ist in dem von Chan entwickelten Font „Oh Monica“ gesetzt, der den alphanumerischen Standardcode beim Schreiben in sexuell konnotierte oder poetische Phrasen überführt und somit auch unter den Bedingungen des digitalen Zeitalters das de Sade leitende Diktum allegorisiert, wonach Erotik den grundlegenden Modus menschlicher Kommunikation abgibt.

Für Texte zur Kunst hat Paul Chan einen Ditone-Print mit dem Titel „After Oh Monica“ (2008) konzipiert. Die „Junge Edition“ hat die Maße 53,3 x 38 cm (bei einer Motivgröße von 43,2 x 27,9 cm) und liegt in einer Auflage von 60 + 15 Künstlerexemplaren vor. Jedes Exemplar ist auf der Rückseite signiert und nummeriert.