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Tobias Zielony

Screen (2015)

Das Werk des deutschen Künstlers Tobias Zielony setzt sich intensiv mit der dokumentarischen Tradition seines wichtigsten Mediums, der Fotografie, auseinander. Mit einem genauen Auge für die formalen Aspekte des fotografischen Bildes lenkt er den Blick auf gesellschaftliche Dynamiken; eine Herangehensweise, die sich auch in seiner Arbeit für den deutschen Pavillon auf der diesjährigen Venedig-Biennale zeigt, für die er in Deutschland lebende Flüchtlinge und Migranten/Migrantinnen porträtierte.

In seiner mit diesem Langzeitprojekt in Zusammenhang stehenden Edition für Texte zur Kunst legt Zielony mehrere formale und mediale Ebenen und politische Fragen der Gegenwart übereinander. Die digitale Aufnahme entstand während einer vom Künstler organisierten Filmvorführung im „B-Movie“, einem von einem interessierten und kritischen Publikum getragenen Independent-Kino in Hamburg. Das Foto fängt die Silhouette eines Mannes vor einer Kinoleinwand ein und wie nebenbei auch die konkrete räumlich-institutionelle Situation zum Zeitpunkt der Filmvorführung – die roten und blauen Lichthöfe stammen von einem auf der Bühne neben dem projizierten Bild installierten Beleuchtungssystem. Gleichzeitig erkennen wir ein Standbild aus dem gezeigten Film, „Le Président“ von Jean-Pierre Bekolo, einer Parabel auf die politischen Verhältnisse in Kamerun, wo er durch die Zensur verboten wurde. Screen zeichnet so nicht nur eine mediale Begegnung zwischen Fotografie und Film auf, sondern auch die Umstände, unter denen Kunst politisch intervenieren kann – etwa indem sie Akte politischen Widerstands ermöglicht, sichtbar macht oder in Erinnerung ruft.

Archival Pigment Print auf RAUCH PGC 260 FD, 20 x 30 cm, Auflage: 100 + 20 A.P., rückseitig nummeriert und signiert, € 350,- zzgl. Versand.