Wolfgang Tillmans

„Faltenwurf TzK” (1996)

Wolfgang Tillmans kehrt mit diesem Werk zu seinen künstlerischen Anfängen zurück: Bevor er fotografierte, hat er mit Kopierern gearbeitet, bewusst die Differenz zwischen Reproduktion und Orientierung ausschaltend. Bei ihm gewinnt der Gegenstand eine nachgerade hyperreale Präsenz. Der Effekt des Wirklichen narrt den Betrachter, bevor er an Ausschnitt und Vergrößerung das Kalkulierte und Fiktive der Aufnahme erkennt. Dabei verschiebt sich die in der Fotografie gängigerweise geltende Zeitordnung. Das Bild ist nicht Dokument vergangener Präsenz, sondern Versprechen künftiger Fülle, gehört also zur Ordnung des Phantasmatischen. Das erklärt die seltsam anthropomorphe Struktur des dargestellten Objekts, die körperliche Eigenschaften suggeriert, ohne sie abzubilden. Denkbar mithin, dass die Hose als Fetisch fungiert: Dafür spricht, dass das banale Objekt durch eine pretiose Verpackung nobiliert wird. Phantasie und Enttäuschung gehen dabei Hand in Hand: Bei näherem Hinsehen erkennt man den einfachen Fotopapierkasten und entlarvt so den gut bestückten Traum als technisch generierte Illusion.