Sylvie Fleury
Soft Rocket (2026)
Seit den frühen 1990er Jahren bezieht Sylvie Fleury sich in ihrer Kunst auf Luxusartikel und Objekte der Konsumkultur. Die oft hinsichtlich Größe und Material verfremdeten Arbeiten – etwa eine vergrößerte Make-up-Palette oder eine in Bronze gegossene Designerhandtasche – lenken die Aufmerksamkeit auf die zugrunde liegende symbolische Ordnung und auf die diversen Mechanismen der Wertbildung in der Lifestylebranche und auf dem Kunstmarkt. Die Oberflächen sind oft glänzend und spiegeln so wider, wie Begehren strukturiert und Geschlechterrollen aufgerufen werden.In ihrer zweiten Edition für TEXTE ZUR KUNST setzt Fleury ihre Auseinandersetzung mit dem Motiv der Weltraumrakete fort – ebenfalls ein Objekt der Fetischisierung, doch ganz anderer Herkunft. Herrschende Narrative von Eroberung und die phallische Logik, auf der sie beruhen, hinterfragte sie zuerst mit „First Spaceship on Venus“ (1996). Titel und Einsatz von mit Weiblichkeit assoziierten Farben und Materialien wie glitzernd-rosafarbener Autolack oder Plüsch in der fortlaufenden Skulpturenserie spielen auf eine andere im All und in Science-Fiction aufzusuchende Utopie an. Die korrespondierende und in dieser Edition anklingende Reihe „Soft Rocket“ konfrontiert die Faszinationskraft der startbereiten, spitz in die Zukunft weisenden Rakete mit ihrer Verwundbarkeit und der Tatsache, dass diesem Raumschiff die Puste ausgegangen ist. Die Erdanziehungskraft als skulpturales Prinzip geht auf die Anti-Form-Bewegung und Künstler*innen zurück, die mit Soft Sculpture arbeiten; ihr Einsatz durch Fleury ist hier ein Beispiel für ihren ironischen Dialog mit der Kunstgeschichte. Fortschrittserzählungen, wie sie sich in der Moderne, in der Raumfahrt sowie in der zeitgenössischen Konsumkultur manifestieren, verpasst die Künstlerin einen Dämpfer, wobei ihr die maskulinistische Energie dieser Erzählungen als Pointe dient. Der Witz sitzt und spendet Trost in Zeiten, in denen der Wunsch, diesen Planeten hinter sich zu lassen, immer größer wird.
