96_L.Owens_Edition

Laura Owens

Untitled (2014)

Kaum eine künstlerische Technik gilt als so stofflich konkret und greifbar wie Keramik. Ihr sind nahezu zwangsläufig Spuren der formenden Künstlerhand eingeschrieben, und somit zielt das keramische Objekt auch auf den Tastsinn der Betrachter/innen. Wenn Laura Owens für ihre Edition für „Texte zur Kunst“ in dieser Technik eine Reihe von zwölf Emojis nachbildet, hat dies eine ebenso ironische wie verblüffende Wirkung. Diese Bildzeichen kodieren heute auf knappe Weise eine Reihe grundlegender Emotionen und werden in dieser Funktion für digitale Kommunikation verwendet, sei es in SMS oder den sozialen Medien, wo sie als lustige kleine standardisierte Stellvertreter des menschlichen Gesichts zirkulieren: als Ersatz für den physisch abwesenden Gesprächspartner. Von Owens als unregelmäßige weiße Kugeln geformt, die sich gegen einen Hintergrund aus Holz abzeichnen, strecken sie hier ihre Köpfe in den realen Raum hinein wie eine Sammlung präparierter Tierchen. Das Arrangement wird anschließend fotografiert und digital bearbeitet, zum Beispiel durch das Hinzufügen einer blauen Träne oder der schwarzen Pupillen der Augen der Emojis. Des Weiteren hat Owens ein Set von drei „expressiven“ gelben Strichen aus Vinylpolymer ergänzt. Damit entsteht eine Arbeit, die ebenso komplex wie unterhaltsam ist: In entschiedener Zurückweisung jedes unterkomplexen Verständnisses von „Post-Net“ springt sie zwischen dem Analogen und dem Digitalen hin und her und bezieht ihre Qualitäten aus diesem permanenten Verkehr zwischen der Sphäre der Objekte und dem Reich codierter Information.

Tintenstrahldruck und Flashe Vinylfarbe auf Gampi Papier, 49,5 × 41,6 cm, Auflage: 100 + 20 A.P., vorderseitig nummeriert und signiert, € 350,– zzgl. Versand.