Martha Rosler

Berlin Park (1990 / 2016)

Die Aufnahme für die Edition der amerikanischen Künstlerin Martha Rosler, „Berlin Park“ (2016), entstand 1990 in einer Berliner Grünanlage im Dämmerlicht. Es ist das Bild einer teilweise heruntergerissenen Werbetafel. Die von Rosler bekannten Techniken wie Collage und Aneignung werden hier von einer gefundenen Geste der Zerstörung ersetzt. Rosler, die sich oft der Sprache des Konsums und der Massenmedien bedient, um historische Konfliktachsen aufzuführen, hebt in „Berlin Park“ die Brüchigkeit territorialer Repräsentation hervor. Die Fotografie ist die zufällige Überblendung zweier Formen von Deutungshoheit: Buchstäblich hinter der staatstragenden Ansprache des Zeitungsmoguls Axel Springer – das Zitat wurde posthum durch sein Flaggschiff „Bild“ plakatiert – kommen weitreichende wirtschaftliche Interessen zum Vorschein. Jenseits der zerfetzten Einheitsrhetorik aus der Zeit der deutschen Teilung erkennen wir den Marlboro-Mann – Ikone krebserregender „Westprodukte“. Das Lasso in der Hand, scheint er den Aufruf Springers, der bekanntermaßen die Zentrale seines rechtskonservativen Medienimperiums an der Demarkationslinie zwischen Bundesrepublik und „wildem Osten“ errichtet hatte, zu sprengen. Damit spielt das Bild nicht zuletzt auch auf die territoriale Reorganisation an, also auch auf die Gentrifizierung des wiedervereinigten Berlin, die zeitgleich zur Aufnahme des Fotos begann. Kontrastiert wird der Kurzschluss von Bedeutung durch Fläche, den beide Anzeigen wie unterschiedlich auch immer formulieren, durch ihre eigene Medialität, die Werbetafel, die sich in Roslers Bild als eher entblößend denn repräsentativ erweist.

Martha Rosler, „Berlin Park“, 1990 / 2016 C-Print, 40,6 × 50,8 cm, Auflage: 100 + 20 A.P., rückseitig nummeriert und signiert, € 450,– zzgl. Versand.