Berliner Schlüssel

Jutta Koether

„Berliner Schlüssel #17 (2010/2011)

Die in Berlin, Hamburg und New York lebende Künstlerin Jutta Koether begleitet „Texte zur Kunst“ als Autorin und Gesprächspartnerin von Beginn an. Bei ihrem performativen Auftritt im Rahmen des in diesem Heft dokumentierten Symposiums konfrontierte sie die Zuschauer mit einer „ästhetischen Erfahrung“, indem sie ein mitgebrachtes Bild förmlich durch popmusikalische, kunsttheoretische und literarische Zitate von Eisenstein, Georges Bataille, Georges Didi-Huberman, Juliane Rebentisch, Kylie Minogue, Lux Interior und Iggy Pop sprechen ließ. Ihre künstlerische Praxis, deren Bandbreite von Malerei über kollaborative Musikprojekte bis zu Performances und Texten reicht, ist insbesondere gekennzeichnet durch die Durchdringung dieser Medien und Ausdrucksformen. So sind auch in der letzten Einzelausstellung der Künstlerin im Januar diesen Jahres in der Galerie Daniel Buchholz mit dem Titel „Berliner Schlüssel“ die Malereien in Bezug auf den räumlichen Kontext, in diesem Falle eine Altberliner Wohnung gesetzt, die durch eine eingezogene Stellwand längs in zwei Hälften zerteilt wurde. Ganz wie der Berliner Schlüssel, der mit zwei identischen Bärten versehen an beiden Enden zu öffnen und zu schließen vermag, offenbart sich hier eine paradoxe Situation: Die Malereien insistieren in ihrer irisierenden Farbigkeit und ihrer eigenständigen und widerspenstigen Materialität einerseits auf ästhetische Autonomie und einer intendierten Lesbarkeit und Wirkung auf den Betrachter, die Betrachterin andererseits. Neben den Acrylbildern, die sich u.a. auf ein Selbstporträt von Poussin in der Alten Gemäldegalerie in Berlin beziehen, zeigte die Künstlerin auch ihre Assemblagen aus Flüssigglas, Acryl und verschiedenen anderen Materialien, die direkt auf ein Fenster der Galerie gegossen wurden. Das Bild wird durch diesen Eingriff räumlich dem „Dazwischen“ von Intention und Rezeption ausgesetzt.

Auf Einladung von „Texte zur Kunst“ wählte Jutta Koether zwei farbintensivexpressive Zeichnungen mit Filzstift und Tinte aus ihrer Skizzenmappe aus, die nebeneinander angeordnet mittels eines aufwendigen und hochwertigen Druckverfahrens reproduziert werden. Die Künstleredition „Berliner Schlüssel #17“ vereint auf einem Blatt also zwei Motive, die als durchaus charakteristisch für Koethers Werk angesehen werden können. Dabei handelt es sich zum einen um eine Referenz auf eine Arbeit von Marcel Broodthaers, „The Triumph of Mussels (Triomphe de Moules I (Moules Casserole))“ (1965), die ein zum Bersten mit Miesmuscheln gefüllten Topf zeigt, in dem auf literarische und humorvolle Weise Leben und Kunst miteinander in Beziehung gesetzt werden. Ganz so scheint die Verbindung der unterschiedlichen Tätigkeiten der Künstlerin wie die Lektüre von „The Thirst for Annihilation, Georges Bataille and Virulent Nihilism“ und dem gleichzeitigen Hören von Miles Davis’ musikalische Genres sprengendes Jazz-Rock-Album „Bitches Brew“ in eine Entzündung der Farben in Form eines Blitzes zu münden, dem zweiten, im Werk von Koether wiederkehrenden Zeichen.

Für Texte zur Kunst hat Jutta Koether zwei Zeichnungen (Tinte und Filzstift auf Transparentpapier) zu einem Blatt zusammengeführt. Die Edition „Berliner Schlüssel #17“, 2010/2011, ist ein Ditone-Print mit den Maßen 32 × 48 cm und liegt in einer Auflage von 100 + 20 Künstlerinnenexemplaren vor. Sie ist rückseitig signiert und nummeriert und kostet 245,– Euro zzgl. Versand.