wool nr.15

Christopher Wool

Untitled (1994)

Christopher Wools Bild zeigt eine abgebrochene und unvollständige Szene - keine Geschichte wird erzählt, und es ist nicht möglich, eine Folge der Ereignisse zu rekonstruieren. Man kann davon ausgehen, dass Wool selbst diesen Moment merkwürdig fand und festhalten musste. Vielleicht hatte eine ihm vertraute Person plötzlich amorphe und geschlechtlich nicht bestimmbare Gestalt angenommen, was bei ihm den Impuls auslöste, ein Photo in der Tradition surrealistischer Photographien zu machen? Gehört Wool zu den Männern, die wie Man Ray u.a. Freude daran haben, ihre Freundinnen verfremdet, aufgelöst oder zerlegt darzustellen? Radikale Verfremdungen bedeuten aber keinen Zugewinn an Freiheit oder individuellen Ausdrucksmöglichkeiten für die photographierten Personen. Denn ihr anderes Bild hängt von der Definitionsmacht des Künstlers ab. Wool hat es dennoch geschafft, die von ihm photographierte Person nicht auf Zweideutigkeit und Unergründlichkeit festzulegen. Denn dafür ist das Photo zu unscharf und schwammig gehalten. Die abgebildete Person ist auch zu sehr mit sich selbst beschäftigt und zeigt kein Interesse an dem Status Muse oder Objekt des Künstlers.