Matias Falbakken, "Jerry Can Cut", 2013

Matias Faldbakken

Jerry Can Cut (2013)

Es ist unbestreitbar: Matias Faldbakken (geboren 1973 in Hobro, Dänemark, aufgewachsen in Norwegen) weiß dreidimensionale Formen zu handhaben. Seine vielleicht bekannteste Materialbehandlung besteht darin, dass er wuchtige Produkte der Schwerindustrie mit bunten Spanngurten umwickelt und sie festzurrt, bis die hohlen Formen nachgeben und sich verbiegen. Sein Formenrepertoire ist ebenso vielfältig wie elementar, als folge es Richard Serras legendärer „Verb List“ von 1967–68: Faldbakken hat stählerne Benzinkanister mit Beton gefüllt, Pappkartons übereinandergestapelt, Bücherreihen auf den Boden gestürzt (so gesehen bei der dOCUMENTA13), Feuerlöscher aneinandergebunden und Plastikkanister mit Klarsichtfolie an eine Säule gewickelt. In all diesen Arbeiten aber verbindet eine narrative Logik die verwendeten Materialien mit den Verfahren oder Handlungen, die Faldbakken auf sie anwendet.Dies ist auch bei seiner Edition "Jerry Can Cut" für TEXTE ZUR KUNST der Fall. Einige Dutzend Kanister stellte der Künstler in einer Reihe auf und schnitt mit einem Winkelschleifer in zwei horizontal geführten Bewegungen ihre Oberflächen ein. Die entstandenen Arbeiten – Teile eines größeren Ganzen, Details der in die Kanister gravierten Zeichnung – stehen in unmittelbarer Verbindung zu ihrem Herstellungsverfahren. Nicht nur das verwendete Industriewerkzeug, auch die über alle Kanister hinweg laufende Schnittlinie zeichnet sich auf jeder Einzelform ab. Im Ergebnis spiegelt jede Arbeit auch ihre Beteiligung am Warenverkehr wider: Ihre Unvollständigkeit, die Tatsache, dass mehrere strukturell aufeinander bezogene Teilstücke getrennt voneinander zirkulieren, verweist auf die ineinandergreifenden Netzwerke des Austauschs.

Matias Faldbakken"Jerry Can Cut", 2013Stahlkanister mit Winkelschleifer angeschnittenjeder Kanister: 47 × 34 × 17 cmAuflage: 75 + 20 A.P.nummeriert und signiert.