Jörg Immendorff, "Ohne Titel" (2001)

Jörg Immendorff

Ohne Titel (2001)

Autobiografisches findet sich bei Jörg Immendorff immer in einer äußerst verklausulierten Form. Von seinem Buch "Das tun, was zu tun ist" bis hin zu seiner berühmten "Café Deutschland"-Serie bildeten autobiografische Anlässe immer den Subtext, der allerdings künstlerisch vermittelt war und nicht etwa Aufschluss über das Leben des Künstlers geben konnte. Was jedoch weitgehend ausgeblendet blieb, waren sexuelle Beziehungen. Stattdessen wurde männlichen Freunden in zahlreichen Freundesbildern der Vorzug gegeben. In seinem Spätwerk scheint sich Immendorff - wie Picasso - nun dem Komplex "Sexualität" anzunähern, nicht ohne ihn jedoch sogleich wieder auszustreichen.

Auf seiner für "Texte zur Kunst" gestalteten Grafik ist eine Figur in Gestalt eines überlangen, phallusartigen Gebildes zu sehen. Doch diese Figur ist mit Strichen vollständig zugedeckt und damit quasi "ausradiert" worden - ein stacheliges Ungetüm. So, wie dieses Motiv als eine Allegorie für die Nichtlegitimierbarkeit figurativer Malerei begriffen werden kann, steht es aber für ein Begehren, das per definitionem unerfüllt bleibt. Denn die Pose, die diese Figur einnimmt, erinnert an all die liegenden und sich räkelnden Figuren in der klassischen Malerei, die sich "in Erwartung" ihrer Liebhaber/innen befinden. Abgesehen davon, dass diese pastorale Kopfkissenszene bei Immendorff richtiggehend gestört wirkt, findet sich auf dem Blatt noch ein Mao-Stempel, der politische Arbeit und Kritik in Erinnerung zu rufen scheint. Wie so oft bei Immendorff steht diese Forderung ein wenig abstrakt plakativ und schematisch im Raum. Auf diese Weise wird ein Widerspruch illustriert, der für Künstler, die sich einem Medium verschreiben und ihre politischen Überzeugungen nicht aus dem Auge verlieren wollen, generell gilt.

Die Radierung mit den Maßen 26 x 29,5 cm ist signiert und liegt in einer Auflage von 150 Exemplaren + 20 Künstler/innenexemplaren vor. Sie kostet EUR 245,- zzgl. Versand.