Spiegel

Nick Mauss

Not another word for it (2012)

Das Werk von Nick Mauss tritt aus dem überladenen Zwischenraum unbeständiger Formen, Körper und Ideen hervor, die von ihren Bildträgern und skulpturalen Rahmen zugleich eingefangen und wieder losgelassen werden. Für die diesjährige Whitney Biennale in New York baute er einen kleinen Vorraum nach, der ursprünglich in den 1930er Jahren für den Firmensitz des Parfümherstellers Guerlain in Paris entstand. Entworfen vom Modezeichner und Bühnenbildner Christian Bérard, sind Wände und Decke des kleinen Raums mit Samt bezogen; gegliedert werden sie durch Baumwollapplikationen, die sich zu architektonischen Zierelementen zusammensetzen. In seiner Installation integriert Mauss zudem Werke von Andy Warhol und anderen Künstlern und schafft so im Ausstellungskontext der Whitney Biennale einen Zwischenraum oder Durchgang, dessen Identität zwischen Installation und Ausstellungsarchitektur schwankt. Vielleicht liegt es an seiner Vorliebe für nur flüchtige Beziehungen zwischen Idee, Form und Ausstellungskontext, dass Mauss auch von fragilen Materialien fasziniert zu sein scheint. In Zeichnungen, Objekten und Installationen beschäftigt er sich mit Papier und dessen transparenten und skulpturalen Qualitäten. Ebenso oszilliert Metall in Mauss’ Werk zwischen Festigkeit und Fragilität: Schwarz grundierte Sperrholzplatten überzieht er mit einer hauchdünnen Schicht Blattsilber, so dass die entstehenden Malereien an einen Wunderblock aus Kindertagen erinnern, auf den man schreiben und das Geschriebene sofort wieder löschen kann – seit Freud auch eine Metapher für die Mechanismen der Erinnerung. Präsentiert werden diese Malereien nicht nur gehängt, sondern auch im Raum stehend, an eine Wand gelehnt und in Beziehung gesetzt zu Licht, Schatten und Betrachter/in: Unwillkürlich gerät man in Bewegung, um die Reflexe auf der metallenen Oberfläche wahrzunehmen. Hieran schließt auch die Arbeit an, die Nick Mauss für „Texte zur Kunst“ entwickelt hat. Sie fängt den sich bewegenden Körper in einem Schleier versperrter Reflexionen ein. Die Zeichnung, als Siebdruck auf Spiegelglas aufgebracht, kann ebenfalls flach liegen, an die Wand gestellt oder immer wieder im Raum bewegt werden. So ist sie nicht nur als Bild lesbar, sondern auch als ambivalentes Objekt, dessen flexible Präsentation der Veränderlichkeit der Reflektion im Spiegel entspricht. Formal rekurriert der Siebdruck auf eine Serie von Zeichnungen, die einen schwarzen, gepunkteten Tüllschleier „tragen“. Übertragen auf die verspiegelte Fläche, wird die offenkundige Funktion des Schleiers als ein Accessoire des Hindurch-Sehens und -Gesehen-Werdens irritiert. Auf dem Spiegel erscheint der Schleier als Eingriff in die ungetrübte Reflektion und taucht jeden, der in seine Sichtweite kommt, indirekt in „Drag“.

Nick Mauss, „Not another word for it“, 2012, Siebdruck auf Spiegel, 40 × 29 cm, Auflage: 100 + 20 A.P., rückseitig signiert und nummeriert, je 290,– Euro zzgl. Versand.