Rodney Graham, "City Self" (2001)

Rodney Graham

City Self (2001)

Der kanadische Künstler Rodney Graham gilt als Spezialist für konzeptuelle Crossovers: Souverän verbindet er in seiner Arbeit die Bereiche Fotografie, Video, Film, Buchproduktion, Skulptur und Musik, ohne dabei die Besonderheiten der von ihm verwendeten Medien außer Acht zu lassen. Referenzen auf die Moderne finden sich in seinen Arbeiten ebenso wie Bezüge zu Pop, Literatur, Philosophie oder Hitchcock-Filmen. Graham ist mit seinen Arbeiten bei Ausstellungen wie "Skulptur: Projekte in Münster" 1987, der "documenta IX" oder der Venedig-Biennale von 1997 hervorgetreten.

Seine Videoprojektion "City Self / Country Self" aus dem Jahr 2000 ist Teil einer Trilogie, zusammen mit der Arbeit "Vexation Island" (1997) und dem Video "Rambling Man" (1999). Als psychosoziale Farce handelt sie vom Aufeinandertreffen zweier Charaktere in einem stilisierten Paris der 1860er Jahre. "City Self" ist ein arrogant wirkender, wohlbetuchter Dandy und trifft auf sein "Country Self", seinen ländlichen, abgerissenen Doppelgänger. Graham lässt beide Figuren von Schauspielern darstellen. Als Künstlerperson ist er dennoch auf einer symbolischen Ebene anwesend, denn beide Charaktere tragen die gleiche Gesichtsmaske mit Grahams eigenen Zügen.

Die psychologische Dimension des ungleichen Doppelgängertums wird jedoch noch um einen gesellschaftlichen Kommentar erweitert: Just in dem Moment, als Grahams "Country Self" seinen Zylinder verliert und sich daraufhin bücken muss, schlägt die wahre Stunde des Städters, der mit verachtender Verve dem ländlichen Zeitgenossen seinen zuvor polierten, extrem spitzen Schuh ins Gesäß wuchtet - eine Geste snobistischer Geringschätzung, die wegen ihrer stilistischen Übertreibung jedoch bereits im Bereich des Skurrilen anzusiedeln ist.

Für "Texte zur Kunst" hat Graham einen Fotoprint aus diesem Video angefertigt, auf dem die Figur des "City Self" zu sehen ist. Die "Bottom-Up"-Perspektive, die akkurat sitzende Kleidung, der starre, hölzerne Blick und die durch die Maske doppelt undurchsichtige Miene des "City Self"-Charakters unterstreichen die Gewissheit, dass es sich bei diesem "Selbstbildnis" Grahams um eine ausgebuffte Inszenierung handelt, die nicht nur mit Künstleridentitäten ihr doppeltes Spiel treibt.

Die Farbfotografie mit dem Titel "City Self" hat die Maße 50 x 40 cm und ist auf der Rückseite signiert und nummeriert. Sie liegt in einer Auflage von 100 Exemplaren + 10 Künstler/innenexemplaren vor und kostet 245,- EUR zzgl. Versand.