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Pol Taburet

Machina Camera (2026)

Pol Taburets Bilder sind oft von Mensch-Tier-Hybriden bevölkert, deren verzerrte Proportionen und ambivalente Züge Unbehagen und Befremden auslösen. Die zentrale Figur in „Machina Camera“, Taburets erster Edition für TEXTE ZUR KUNST, hat einen ähnlichen Effekt, verbindet die Merkmale eines Lebewesens jedoch mit denen eines mechanischen Apparats. Wie eine Verschmelzung von kafkaeskem Ungeziefer und Mondfahrzeug bewegt sie sich über strukturiertes Terrain, in dem die Hand des Künstlers – dank seiner direkten Bearbeitung der Druckplatte aus Kalkstein – so präsent ist wie die poröse Struktur des Steins.Taburet nutzt das lithografische Verfahren seit Anfang 2025, angeregt von Francisco de Goyas albtraumhaften Szenen und Kreaturen. In „Machina Camera“ scheinen sich solche Anklänge mit den surrealen Kompositionen von Joan Miró zu mischen, dessen Fantasie oft durch Collagen aus Maschinenteilen und mechanischen Instrumenten angeregt wurde. Mit Blick auf Taburets Werk erinnert „Machina Camera“ an „Papa Tonnerre’s Tales“, eine Lithografieserie, die von kreolischen Erzähltraditionen inspiriert ist. Die in gestischen Linien dargestellte Hauptfigur der Edition trägt ein Silhouettenporträt auf einer ihrer Gliedmaßen. Unterhalb ihres Bauchs liegt ein Schädel – ein wiederkehrendes Motiv Taburets, das er im Sinn des klassischen Memento mori ins Werk setzt. Ein planetarischer Horizont legt nahe, dass wir die Szene aus dem Orbit betrachten, und spielt damit auf die makrohistorische Perspektive an, zu der das Bild einlädt: Während Silhouettenporträts Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend von der Fotografie verdrängt wurden, ist es heute die künstliche Intelligenz, die mit „Maschinenkameras“ aller Art konkurriert. Surreal und unheimlich zugleich thematisiert Taburets Edition eine Hauptursache gegenwärtiger Entfremdung: die unvorhersehbaren Folgen von Technologien und deren Vergänglichkeit.