Conny Maier
INTERDEPENDENZ 2 (2026)
Intensive Farbigkeit, titanenhaft überzeichnete Körper und wiederkehrende Gesichter,die mit weit aufgerissenen Augen und Mündern aus ihren Bildern starren, verleihen Conny Maiers Malerei einen hohen Wiedererkennungswert. Die Künstlerin bemüht Elemente des Komischen wie unbeholfene Körperhaltungen und aus dem Gleichgewicht geratene Proportionen ihrer Figuren, ähnlich denen Louise Bonnets, und nutzt Kippmomente zwischen Unschuld und Ernst, um Fragen nach menschlichem Zusammenleben, sozialen Abhängigkeiten und Machtgefällen zu stellen.So auch in „INTERDEPENDENZ 2“, Maiers erster Edition für TEXTE ZUR KUNST. Zwei in ihrer kräftigen Farbigkeit und Form die Komposition dominierende, scheinbar nur aus Gliedmaßen und grotesk kleinen Köpfen bestehende Körper liegen – gewalt- oder lustvoll – ineinander verschlungen in einer bukolischen, doch düsteren Szenerie. Der flächige Farbauftrag weist Spuren eines beherzten Pinselstrichs auf und ist überzogen von feinen, gestischen Linien in Ölkreide, die als Störmomente Distanz zur ländlichen Idylle schaffen. Der Hund in der unteren rechten Ecke erfüllt eine ambige Funktion. Zunächst ist er als Referenz auf die kleinen, niedlichen Schoßhunde in der Renaissance zu lesen – eigentlich Symbol für Treue und Loyalität –, doch kippt die Stimmung des Bildes, wenn bei genauerem Hinsehen der Schäferhund am Ärmel der blauen Figur reißt. Will das Tier nur spielen, oder geht von ihm Gefahr aus? Sind die Figuren selbst im Spiel begriffen, oder ist aus sublimiertem Kampftrieb Ernst geworden? Angesichts all dieser Verunsicherungen ist man versucht, sich – wie die schwerfälligen Körper – am Gegenüber festzuklammern oder in einer immer feindseliger werdenden Welt hoffnungsvoll zu dem Stück Blau in der oberen linken Ecke zu blicken.