Inhaltliche Nickware

24.01 - 22.03.09 / Embedded Art / Akademie der Künste Berlin / Pariser Platz

Embedded Art ist einer der seltenen Ausstellungstitel, der bereits vorab eine mögliche Schwachstelle der Ausstellung mit sich selbst bespricht. Eingebettet in übergeordnete Strukturen (anscheinend egal, ob Krieg oder ultimative Themenstellungen) gehen ursprünglich vorhandene Qualitäten als distanzierter Zaungast irgendwie verloren. 

Was spricht gegen Journalismuskunst, auch wenn sie zumeist bekannte oder erahnte Informationen und bedenkliche Fakten räumlich opulent noch mal aufbereitet? Sind 80 qm2 Ausstellungsfläche für eine hörspielartige Aufbereitung  der grauenhaften Zustände in Guantanamo und Abu Ghraib (Camron Bobro / Über den Umgang mit gefährlichen Hunden) in leibhaftigem Dolbysurround verschenkt oder müssten eher 8000 qm2 beschallt werden, zwecks besserer Durchschlagskraft an Eindringlichkeit? Oder reicht auch einfach ein iPod?

Die eigentlichen drei Ausstellungssäle der Akademie der Künste wirken sehr luftig bespielt. Fast ein wenig verschenkt, denkt man, bis man zur Führung in die Untergeschosse gelangt. Dort sind die Mehrzahl der kleinteiligeren Arbeiten untergebracht. Und nur per stündlicher Führung zugänglich.

Im mittleren Saal kann man per wechselnder Liveschaltung (Zsolt Barat / Total Information Awareness) auf zehn Beamerprojektionen (Lillevan & Zaji Chalem / War Room) immer jeweils die übrigen Ausstellungsexponate im Auge behalten. Schöner nervöser simultaner Betrachterblick. Und alle wollten sowieso immer nur Nachtwächter werden. Im nächsten Saal werden daraus VJ-artig die besten Sequenzen auf 40qm2 Bildfläche in der Horizontalen zusammen gesampelt (Lillevan & Zaji Chalem / War Room). Komplett überflüssiger Augenpudding. Die ausgelagerte Raumnutzung in den Kellergeschossen ist eine gute Idee. Man fühlt sich latent wie bei einer Zelleninspektion, was wiederum dem gesamten gedoppelten Inszenierungscharakter der Ausstellung entspricht. Diese Dopplung ist leicht moralisch geradeaus gestrickt, wie der hoch schwebende Begrüßungscounter im Eingang zwecks Verkleinerung der Besucheregos schon überdeutlich signalisiert. Damit du wirklich kapierst, dass die Milch schlecht ist, musst du selbst auch sauer werden.

Die Videoskulptur von Korpys/Löffler bringt signifikant noch mal die Probleme dieses 80er Jahre - Mediumformats auf den Punkt. Ja, mit solchen Wohnzimmerschränken, die auch George Lucas und Sci-Fi-Design beeinflusst haben müssen, kann man frohgemut noch mal einen Weltkrieg starten. Bei dem Video, in dem Polizisten die umstrittene Taser-Waffen schmerzhaft an sich selbst erproben, weiß man nicht, ob er besser bei Arte oder RTL II aufgehoben wäre. Diese Taser-Waffe als eine Art Konsensthema taucht dreimal in der Ausstellung auf.

Das Video „Organ Market“ von Sally Gutierrez erzählt von der positiven Selbstverständlichkeit, mit der in Manila Slumbewohner eine ihrer Nieren für ein bescheidenes Startkapital verkaufen. Hier wird eine verschobene Wahrnehmung des eigenen Körperinneren als bestmögliche souveräne Kapitalquelle deutlich.

Ein umfunktionierter Fingerscanner verwandelt die Fingerabdrücke der Besucher in tangramartige kleine schwarze Kompositionen. So fast zum Mitnehmen. Nicht ganz so ärgerlich, aber recht redundant wirken dramatische Verhaftungsfotos aus nächster Nähe in Pakistan aufgenommen. Hilfreich ist dagegen eine Bedienungsanleitung (I.- R.A.S.C.) zum Selberbasteln, die mittels Infrarotlicht gegen Überwachungskameras schützt.