Jeff Koons Edition

Jeff Koons

Untitled (Antiquity Drawing) (2012)

Jeff Koons hat es sich zur Gewohnheit gemacht, kunsthistorische Bezüge ebenso in seinem Werk zu verarbeiten wie Pornografie; bekanntestes Beispiel ist seine Fotoreihe „Made in Heaven“ (1990–1991). Ein Bild aus der Serie, „Jeff in the Position of Adam“, greift die berühmte Pose von Michelangelos Adam von der Decke der Sixtinischen Kapelle auf und variiert sie, sodass sich Koons’ damalige Frau Ilona Staller (Cicciolina) vor ihm auf dem Rücken darbietet. Eine aktuelle Serie des Künstlers, „Antiquity“, setzt diese Praxis fort und knüpft an noch ältere Bildreferenzen an. „Balloon Venus“, eine gewaltige Edelstahlskulptur mit transparentem Farbüberzug, unterwirft die Figur der „Venus von Willendorf“ einer Gestaltung als Luftballontier – eine von Koons’ ikonischsten Formen. Drei weitere Arbeiten der neuen Serie, fotorealistische Ölmalereien, scheinen aus der digitalen Überlagerung mehrerer Bilder hervorgegangen zu sein. Eine dieser Schichten ist eine grobe, Picasso-eske Zeichnung (man denke an „Don Quijote“, 1955) eines Segelboots, flankiert von Felsformationen, die Sonne hoch am Himmel. Auf den zweiten Blick allerdings zeigt das Bild – besonders wenn es, wie in der Edition für „Texte zur Kunst“, für sich betrachtet wird – die gespreizten Beine und Genitalien einer Frau. Gedruckt mit roter Metallfolie, geht von dem Motiv derselbe Glanz aus wie von der überdimensionierten Fruchtbarkeitsgöttin. Die Zeichnung ähnelt dabei nicht nur auffallend der Komposition von Gustave Courbets „L’Origine du monde“ (1866), sie verkörpert auch das „Gleiten“ („glissement“) der Bedeutung, das Jacques Lacan als Besitzer des Gemäldes beobachtete. Indem Koons’ Blatt wie ein Vexierbild von einem Motiv ins andere wechselt, wird in ihm weit mehr als nur das weibliche Geschlecht offengelegt.

Lithographie mit Siebdruck, 34,8 × 45,7 cm, Auflage: 100 + 20 A.P + 10 P.P..