Albert Oehlen
Badende (2026)
Wie zerfließendes Makeup markiert vertikal herablaufende Farbe den Körper der „Badenden“ von Albert Oehlen. Die dynamisch anmutende Figur ist in einen ebenfalls wässrig gemalten türkisfarbenen Hintergrund eingelassen, der an das leuchtende Blau des Mittelmeers oder das Licht der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur denken lässt. Eine Assoziation, die nicht von ungefähr kommt: Mit der „Badenden“ greift Oehlen einen Topos der Malereigeschichte auf, mit dem sich zahlreiche Künstler*innen von Paul Cézanne bis Pablo Picasso während ihrer Aufenthalte in Südfrankreich auseinandergesetzt haben. Speziell die Badenden von Cézannes waren – wie sich derzeit in einer Ausstellung der Fondation Beyeler beobachten lässt – Bad Painting avant la lettre. Sie wirkten absichtlich clumsy und wie geometrisch organisierte Volumen im Raum, so als würden sie den Kubismus vorwegnehmen. Oehlen treibt Cézannes Auflösung des Körpers bei seiner „Badenden“ noch weiter, sodass sie buchstäblich zerfließt. Zugleich erhebt sie den Arm, als wolle sie eine Warnung aussprechen.Bemerkenswert ist auch, dass Oehlen mit Stellvertretern von Fleischtönen wie Ocker und Orange arbeitet. Man braucht offenkundig kein klassisches Inkarnat, um körperliche Assoziationen zu wecken und den Effekt von Lebendigkeit zu erzeugen. Zudem haucht das pathosformelhaft wehende Haar der Figur Leben ein. Zwar ist Oehlens „Badende“ von Malereigeschichte durchtränkt, zugleich scheint sie sich diese jedoch wie Ballast in respektlosen Gesten vom Leib waschen zu wollen. Man könnte sagen, dass Oehlen einerseits eine Art malerisches Desinteresse an traditionellen kunsthistorischen Genres inszeniert, um sie andererseits auf mitreißend-unterhaltsame Weise zu aktualisieren.