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Katharina Grosse, “Fünfunddreißig Jahre Schönheit,” 2026

Katharina Grosse

Fünfunddreißig Jahre Schönheit (2026)

Katharina Grosse beschreibt ihre Arbeit gern als Erkundung der Möglichkeit einer „Malerei ohne Malen“, doch eigentlich ist ihre Herangehensweise eher eine der Erweiterung als eine der Negation: vom Pinsel als Verlängerung der Hand der Künstlerin hin zum industriellen Sprühgerät, von der begrenzten Fläche der Leinwand in den dreidimensionalen Raum. Grosses Werke reagieren weniger auf einen bestimmten Kontext, vielmehr transformieren sie ihn; überführen Architekturen und Objekte in malerische Räume, indem sie sie physisch in Beschlag nehmen oder besetzen – eine Strategie, die unvermeidlich kritische Konnotationen im Umgang der Künstlerin mit den Institutionen, die ihre Arbeiten zeigen, mit sich bringt.Für ihre dritte Edition für TEXTE ZUR KUNST hat Grosse einen ähnlich interventionistischen Ansatz gewählt und anlässlich des 35-jährigen Jubiläums des Magazins alte Ausgaben als Trägermaterial für 35 je einzigartige und charakteristisch farbintensive Gemälde verwendet. Da die Hefte vor dem Besprühen aufgeschlagen wurden, ­können die Objekte nicht mehr für ihre ursprüngliche Funktion genutzt werden, ohne die Stabilität der Farbe auf ihrer Ober­fläche zu gefährden. Dies wirft die Frage auf, wie sie „gelesen“ werden sollen: als ironischer Kommentar zur wechselseitigen Abhängigkeit von Kunst und Kritik? Als Mikroakte der Institutionskritik, die sich mit der Rolle von TZK innerhalb der Kunstökonomie auseinandersetzen? Oder schlicht als Oberflächen, deren Beziehung zum Inhalt, den sie verbergen, beliebig ist? Sie können also als ­treffende Symbole für die Position der Künstlerin gelten: geprägt von und eingebunden in Diskussionen rund um die ­erweiterte Malerei, während sie sich zugleich auf ihre ganz eigene Art davon abgrenzen.