Thilo Heinzmann
Aicmo (2026)
Thilo Heinzmanns Werk kennzeichnen eine Offenheit für neue Materialien, Techniken und Bildmöglichkeiten auf der einen Seite sowie genaue künstlerische Vorstellungen und deren präzise Umsetzung auf der anderen. Seit Mitte der 1990er Jahre entwickelt Heinzmann eine malerische Sprache, die darauf abzielt, die Kapazitäten der formgebenden Elemente – des Malgrunds, der Farbe und der im Zusammenspiel von beidem entstehenden Textur – zu erweitern und so neue Potenziale der Malerei aufzuzeigen. Neben Leinwand verwendet er auch Styropor und Spanplatten; Farbe wird in ihre Bestandteile Pigment und Licht zerlegt und in unterschiedlichen Verfahren auf Hölzer sowie weitere, malereiuntypische Materialien appliziert.Eine Erweiterung des malerischen Raums findet sich auch in Heinzmanns Jubiläumsedition für TEXTE ZUR KUNST, die mit der gleichnamigen, seit 2006 entstehenden Werkreihe „Aicmo“ verbunden ist. Der unregelmäßige Bildträger – jede „shaped canvas“ dieser 35 unikatären Werke wurde vom Künstler von Hand geschnitten und gebogen – hebt sich von der Wand ab, die wiederum durch den Schattenwurf selbst Teil des Bildes wird. Auf dem industriell gefertigten Aluminium sind Stücke von Pergament befestigt, deren melierende Farbigkeit und Oberflächenstruktur das opake Weiß konterkarieren. Der kulturelle Kontext des Pergaments, eines der ältesten Malgründe, und die Tatsache, dass dieses sensibel auf die Veränderungen seiner Umgebungen reagiert, sind exemplarisch für die Balance, die Heinzmanns Œuvre hält: Konzeptuelle und wahrnehmungsästhetische Überlegungen greifen ineinander, um das Verhältnis der Betrachter*innen zur Malerei sensorisch aufzufächern.