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Manifesta CFA Berlin Manifesta CFA Berlin
24. July 2026

EINE POLITISCHE METAPHYSIK DER MODE Philipp Kleinmichel über Anna-Sophie Berger in der Galerie Layr, Wien

In ihrer jüngsten Einzelausstellung spannt Anna-Sophie Berger einen Diskursraum auf, in dem modernistische Abstraktionsverfahren mit der Modeindustrie – unter anderem repräsentiert durch die für die Künstlerin charakteristische Verwendung von Mannequins – und ikonoklastischen Wellen enggeführt werden. Über eine Kritik an kapitalistischem Konsumverhalten und Produktionsweisen sowie der Sexualisierung des weiblichen Körpers hinaus, die bei der Thematik naheliegt, kommen so formale Anleihen und kulturelle Logiken in den Blick. Im Kern der nach Stéphane Mallarmés Pseudonym für „La Dernière Mode“ benannten Ausstellung „Ix“ in Wien steht, so Philipp Kleinmichel, eine Metaphysik der Mode. Vor dem (kunst-)historischen Horizont der Schau fasst diese die Abstraktion des sinnlichen Körpers als Ausdruck modischer Trends und den ihnen zugrundeliegenden ontologischen und ideologischen Vorstellungen.

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20. July 2026

VALIE EXPORT (1940–2026) Von Silvia Eiblmayr

Als im Mai dieses Jahres die Nachricht von VALIE EXPORTs Tod um die Kunstwelt ging, war klar, dass diese eine ihrer scharfsinnigsten und gewitztesten Analytiker*innen verloren hatte. Wie Elfriede Jelinek in ihrer viel zitiert Grabrede betonte, hinterlässt VALIE EXPORT ihrer Nachwelt so viel, dass Kunstgeschichte ohne sie heute kaum denkbar erscheint: „Und jetzt ist sie weg, doch wir werden nie wieder an ihr vorbeikommen.“ Silvia Eiblmayr erinnert hier an einige Arbeiten und Aspekte aus VALIE EXPORTs Werk, die ihre emanzipatorischen Errungenschaften ebenso verdeutlichen, wie ihr feines Gespür für die körperpolitischen Potenziale unterschiedlicher Medien.

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June 2026

Current Issue

Issue No. 142
June 2026
„MITTELALTER“

Ever since the term Middle Ages came into use, this historical era has been inextricably bound up with notions of alterity. Beginning in the 14th century, the picture of a dark age was utilized as a foil to set off the ideals of Renaissance enlightenment and humanism; later on, the Romantics pioneered the vision of the Middle Ages as an era unspoiled by advancing industrialization, onto which they projected their longing for a way of life in harmony with nature and spirituality. The temptation to escape the complex and unsettled present for an allegedly simpler past is also characteristic of references to the Middle Ages in contemporary pop culture and politics. This issue of TEXTE ZUR KUNST counters such simplistic perspectives with a more nuanced portrayal of the Middle Ages that acknowledges historical parallels and continuities as well as contradictions.

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17. July 2026

SALON DU JUBG Sophia Eisenhut über „DIE Einrichtung“ in der Tempelhofer Sezession / Galerie JUBG, Berlin

Beim letzten Berliner Gallery Weekend eröffnete etwas abseits des Hauptgeschehens eine Gruppenausstellung, die mit ihrer Umnutzung eines Produktionsraums als Galerieraum an Daniel Burens einflussreichen Text zur „Funktion des Ateliers“ denken ließ. Während Burens ambivalentes Verhältnis zum Atelier als vermeintlichem Ort eines künstlichen Vakuums ihn und spätere post-studio artists dazu brachte, in situ an Ausstellungsorten zu arbeiten, um Werke nicht nachträglich in die Welt entlassen zu müssen und sie damit zu „entfremden“, schien die Fusionierung von Atelier und Ausstellungsort in diesem Fall auf umgekehrte Weise Kritik am entfremdenden „Draußen“ zu formulieren. Die Künstlerin und Autorin Sophia Eisenhut sieht in der temporären „Einrichtung“ der Kölner Galerie JUBG in den Atelierräumen von Raphaela Vogel die Warenförmigkeit von Kunst und die fortschreitende Ästhetisierung des alltäglichen Lebens ebenso verhandelt wie ein wachsendes Verlangen nach relativ autonomen Räumen.

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9. July 2026

INMITTEN VULNERABLER LANDSCHAFTEN Christina Maria Ruederer über Catherine Opie im Fridericianum, Kassel

Bereits Catherine Opies frühe Porträts von Weggefährt*innen aus der queeren Community, die in den 1990er Jahren entstanden, verweisen auf die entscheidende Rolle, die das Mapping als Form kritischen Kartierens marginalisierter Personen, Geschichten und sozialer Gefüge in ihrer fotografischen Praxis spielt. Wie die Künstlerin im Februar eindrücklich in einem reich bebilderten Vortrag in der Neuen Nationalgalerie in Berlin hervorhob, hat dieser Ansatz in den von Donald Trump regierten USA der Gegenwart besondere Dringlichkeit. Auch Christina Maria Ruederer betont die aktuelle Bedeutung von Opies Œuvre – und untersucht ihre Schau im Kasseler Fridericianum, deren Fokus auf die Praxis des Mappings den wesentlichen Unterschied zur zeitgleich eröffneten Präsentation in der Londoner National Portrait Gallery darstellt, mit besonderem Augenmerk auf Opies Einsatz der Farbe Blau.

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Artists' Editions

Katharina Grosse, "Fünfunddreißig Jahre Schönheit", 2026

3. July 2026

LOST AND FOUND HISTORIES Talia Kwartler on Marlow Moss (with Leonor Antunes, Tacita Dean, Florette Dijkstra, and Ro Robertson) at the Georg Kolbe Museum, Berlin

Not only was Marlow Moss’s work long overshadowed by that of male Constructivists; a large part of it was also lost during her flight from the Nazi regime. Although it has finally been recognized for some time now that Moss was the true inventor of the double line later made famous by Piet Mondrian – as shown, for example, in the recent exhibition “Queer Modernism” in Düsseldorf – the major gaps in the study of her work remain a problem. With a focus on Moss’s sculptural work, the current show at the Georg Kolbe Museum makes an important contribution to the reconstruction of her constructivist oeuvre, complementing it with four contemporary positions. The conclusiveness of these linkages varies at first glance, yet according to Talia Kwartler, the fact that the parallels here are less rigorously defined than those of the double line does not detract from the curators’ aim of shedding new light on Moss.

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26. June 2026

GEWALT ALS ORNAMENT Vanessa Joan Müller über Sue Williams im Belvedere 21, Wien

Eine in diesem Umfang bisher einmalige Werkschau der Arbeiten von Sue Williams zeigte kürzlich das Belvedere 21. Die ausgestellten Arbeiten reichten von den Anfängen in fast comichaften, sehr eindrücklichen Gewaltszenen bis hin zu großen, abstrakten Werken, in denen das explizit Gewaltvolle als repetitives Ornament omnipräsent wirkt. Für Vanessa Joan Müller schien der Fokus der Kuration auch auf diesem Umfang zu liegen. Die schiere Menge der chronologisch gehängten Arbeiten vermittle zwar einen eindrucksvollen Überblick, lasse jedoch auch die eindringliche Botschaft in Williams Werk an manchen Stellen fast in den Hintergrund treten.

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24. June 2026

STAUB DER GESCHICHTE Bianca Girbinger über José Montealegre in der Galerie Thomas Schulte, Berlin

In der Biologie versteht man unter Mimikry einen Vorgang, bei dem Lebewesen sich in Aussehen oder Verhalten anderen Arten angleichen, um Fressfeinden zu entkommen oder Beute anzulocken. Homi K. Bhabha bediente sich dieses Begriffs, um in kolonialen Kontexten Vorgänge zu beschreiben, bei denen die Kolonisierten Verhaltensweisen und Kulturtechniken der Kolonialmacht übernehmen – was meist nur teilweise gelingt und womit diese Art der Imitation in ihrer Partialität subversiv Machtstrukturen unterläuft. Bianca Girbinger beobachtet Anklänge dieser Strategie in den Arbeiten von José Montealegre, die bis vor wenigen Tagen in den Räumen der Galerie Thomas Schulte in der Potsdamer Straße gezeigt wurden. Indem der Künstler – manchmal kaum merklich – mit historischen und wissenschaftskanonischen Kontinuitäten bricht, sie de- und rekonstruiert und so neue Narrative schafft, führt er Girbinger zufolge den Betrachtenden die Brüchigkeit von Geschichte und Geschichtsschreibung vor Augen.

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19. June 2026

DAS ICH ZWISCHEN WORT UND BILD Rainer Bellenbaum über Gernot Wielands Werkschau bei den 72. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen

Mit ruhiger Stimme begleitet Gernot Wieland die Figuren und Bilder seiner Kurzfilme durch Landschaften aus Plastilin, Pappkarton und die verblichene Farbigkeit von Super-8-Streifen. Mal folgen die Worte dem Bild, mal die Bilder der Erzählung – oft scheinen jedoch beide ihrer eigenen Wege zu gehen, wenn Wieland sich oder manchmal auch eine gesamte Gesellschaft auf die psychoanalytische Couch legt. Nachdem Wielands Arbeit auf der 13. Berlin Biennale und kürzlich auch bei Phileas in Wien zu sehen war, zeigten die 72. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen im April zehn seiner Kurzfilme. Rainer Bellenbaum betont in seiner Besprechung dieser Werkschau unter anderem die spannungsvolle Diskrepanz zwischen Gesprochenem und Gezeigtem, zwischen Erzählung und Bildnarrativ.

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TEXTE ZUR KUNST stands for controversial discussions and contributions by internationally leading writers on contemporary art and culture. Alongside ground-breaking essays, the quarterly magazine – which was founded in Cologne in 1990 by Stefan Germer (†) and Isabelle Graw and has been published, since 2000, in Berlin – offers interviews, roundtable discussions, and comprehensive reviews on art, film, music, the market, fashion, art history, theory, and cultural politics. Since 2006, the journal's entire main section has been published in both German and English. Additionally, each issue features exclusive editions by internationally renowned artists, who generously support the magazine by producing a unique series.