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CFA Berlin Urbane Kunst Ruhr der Legende Manifesta CFA Berlin Urbane Kunst Ruhr der Legende Manifesta
September 2026

Aktuelle Ausgabe

Heft Nr. 143
September 2026
„ANONYMITY“

Von anonymen Pamphleten, mit denen ­Kunstkritiker des 18. Jahrhunderts die Autorität der ­französischen Académie Royale herausforderten und dabei den Anspruch erhoben, fürs anonyme Publikum zu sprechen, bis hin zu Künstler*innenkollektiven wie den Guerrilla Girls, die seit Mitte der 1980er Jahre die Unkenntlichkeit ihrer Mitglieder in den Dienst aktivistischer, institutionskritischer und feminis­tischer Ziele stellen: Im Kunstfeld galt Anonymität lange vor allem als emanzipatorische Strategie. Auch die Möglichkeit, im Internet anonym zu bleiben, war noch in den 1990er Jahren eng mit dem Versprechen einer Demokratisierung öffentlicher Debatten und politischer Teilhabe verknüpft. Gesellschaftliche, politische und mediale Entwicklungen verlangen heute allerdings nach einer kritischen Neubewertung. Diese nimmt die aktuelle Ausgabe von TEXTE ZUR KUNST, „Anonymity“, vor. Gegenwärtige Phänomene in Kunst und Medien werden in Beziehung zu historischen Beispielen und Theorien gesetzt und kartieren somit das Spannungsfeld, in dem Identität und Anonymität heute diskutiert werden.

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4. September 2026

TIME AFTER TIME Xenia Benivolski on “Collection as Cosmos” at Van Abbemuseum, Eindhoven

Stars and other astrological occurrences present themselves to the earthly observer as known and permanent constellations, yet they both physically and symbolically undergo constant change. Outer space recently became the projection surface for SpaceX’s record-breaking IPO, for instance. In the recent rehanging of the Van Abbemuseum’s collection, outer space serves as more than a metaphor for thinking about permanence and order. Conceptualized collaboratively with four external interlocutors, “Collection as Cosmos” arranges its artworks relationally rather than following the temporal linearity of the canon and sets them against the backdrop of an ornamental exhibition design by Matilde Cassani Studio. In a selective walk-through, Xenia Benivolski maps how the exhibition presents a curatorial perspective that emphasizes the storytelling effects and life cycles of artworks over the finitude of their possession and preservation.

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28. August 2026

MEHR ALS „EINE STUNDE FÜRS LEBEN“ Christina Irrgang über „Radikale Hoffnung. Kunst und Arbeitskampf“ im Kunstmuseum Gelsenkirchen

Einer historischen Vergangenheit gehören sie keinesfalls an, die Debatten um und die Kämpfe für Lohngleichheit und gerechte Arbeitsbedingungen. Beim Blick in ihre Geschichte wird überdies deutlich, dass Arbeitskämpfe heute wie vor fünfzig oder hundert Jahren immer in enger Verbindung mit künstlerischer Praxis, Performativität und künstlerischen Lebensrealitäten standen und stehen. Das Kunstmuseum Gelsenkirchen versammelt nun nicht nur Dokumentarisches über die Arbeitskämpfe vergangener Tage, sondern auch Kunstwerke, die im Zuge dieser entstanden sind oder sich mit ihnen auseinandersetzen. Christina Irrgang fokussiert in ihrer Besprechung die Aktualität dieser künstlerischen Arbeiten und Artefakte hinsichtlich der kritisierten Arbeitsbedingungen und der damit verbundenen Forderungen – und dies mit besonderem Blick für die Verschränkungen proletarischer und feministischer Kämpfe.

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26. August 2026

AFD NOBILITIERT SOMMERTHEATER Susanne von Falkenhausen über das Volksbad an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin

Bereits vor ihrer Eröffnung sorgte die „urbane Intervention“, wie die Volksbühne das temporäre, 25 Meter lange und kostenfrei nutzbare Becken auf ihrem Vorplatz nennt, für größtmögliche mediale Aufmerksamkeit. Das sogenannte Volksbad, von der Volksbühne als Maßnahme gegen Unterfinanzierung der Berliner Infrastruktur sowie gegen verstärkte Kontrolle und Regulierung des öffentlichen Raums vorgestellt, löste eine Bandbreite an Reaktionen aus zwischen maßloser Empörung über Performativität und Steuergeldverschwendung bis hin zu Begeisterung ob des Versuchs, als „Volkstheater“ tatsächlich im Stadtraum präsent zu sein. Ihren Höhepunkt fand die Instrumentalisierung der Debatte nach Ankündigung eines Nachmittags, an dem das Schwimmbecken dem Verein EOTO e. V. exklusiv zur Verfügung gestellt werden sollte – eine rassistische Medienkampagne folgte. Vor diesem Hintergrund fragt Susanne von Falkenhausen nach Möglichkeit und Unmöglichkeit von geschützten Räumen im Kontext institutioneller Öffentlichkeit.

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26. August 2026

HAIE IM SWIMMINGPOOL Christoph Gurk über das Volksbad an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin

Bereits vor ihrer Eröffnung sorgte die „urbane Intervention“, wie die Volksbühne das temporäre, 25 Meter lange und kostenfrei nutzbare Becken auf ihrem Vorplatz nennt, für größtmögliche mediale Aufmerksamkeit. Das sogenannte Volksbad, von der Volksbühne als Maßnahme gegen Unterfinanzierung der Berliner Infrastruktur sowie gegen verstärkte Kontrolle und Regulierung des öffentlichen Raums vorgestellt, löste eine Bandbreite an Reaktionen aus zwischen maßloser Empörung über Performativität und Steuergeldverschwendung bis hin zu Begeisterung ob des Versuchs, als „Volkstheater“ tatsächlich im Stadtraum präsent zu sein. Ihren Höhepunkt fand die Instrumentalisierung der Debatte nach Ankündigung eines Nachmittags, an dem das Schwimmbecken dem Verein EOTO e. V. exklusiv zur Verfügung gestellt werden sollte – eine rassistische Medienkampagne folgte. Christoph Gurk, der gerade selbst in ein Bühnenprojekt am Haus involviert ist, kontextualisiert das Volksbad mit Blick auf die Geschichte der Volksbühne und den vermittlerischen Ansatz der Institution.

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Editionen

Conny Maier, „INTERDEPENDENZ 2“, 2026

21. August 2026

AFTER LOOKING James Voorhies on the 59th Carnegie International at the Carnegie Museum of Art, Pittsburgh

With an impressive 130-year history, the Carnegie International has regularly showcased international art in Pittsburgh while remaining true to its founding mission of promoting international exchange and understanding among cultures. Particularly in the context of biennials and other large, regularly recurring exhibition formats, trends in curatorial approaches can be observed – shifting away from a focus on individual objects and aesthetic experience toward a focus on contextualization and knowledge production. James Voorhies also observes these approaches at the 59th edition of the Carnegie International and situates them within a broader dynamic of changing conditions in artistic and curatorial practice, as well as shifting expectations regarding aesthetic experience and reception.

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19. August 2026

FAILING FORWARD Ben Caton on Martin Luther, translation, and AI

With the invention of the printing press and the distribution of the Gutenberg Bible, the shift from the Middle Ages to modernity is commonly understood to be marked by profound changes in technology and the means of knowledge production. With AI-based translation, an arguably comparable change is underway. As many contributions to our current issue, “Mittelalter,” demonstrate, epochal shifts are processes rather than ruptures. Here, Ben Caton focuses on Martin Luther’s translation of the Bible, which, from a historiographical point of view, faces both toward the Middle Ages and toward modernity. Situating the Reformer’s work in translation theory, Caton relates Luther’s approach to precursors in late antiquity as well as to current developments and updates his own June 2020 text in TEXTE ZUR KUNST on machine translation software such as DeepL. In the 16th century, as today, the question remains how equivalence between languages is negotiated and how norms are constructed and challenged.

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14. August 2026

AUFERSTANDEN AUS RUINEN ODER AUSGEGRABEN AUS DEM DEPOT Marlene Militz über „Publik Machen“ des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen

Mehr als 36 Jahre nach dem Mauerfall bietet der Diskurs um die deutsch-deutsche Geschichte vermehrt endlich auch Räume für Debatten, die sich jenseits festgefahrener, häufig von reflexhaften Abwertungstendenzen geprägter Narrative bewegen. Im Zuge dieser Debatten scheint auch in der Kunstwelt Raum und Bewusstsein geschaffen worden zu sein für diesen Teil jüngerer deutscher Geschichte: in Form von öffentlichkeitswirksamen, künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Erbe der Wiedervereinigung, aber auch in Form der sträflich vernachlässigten Beschäftigung mit DDR-Kunst, die jahrzehntelang in Archiven und Depots verschwunden war. Einem solchen Projekt hat das ifa – Institut für Auslandsbeziehungen nun nicht nur eine, sondern ganze sechs Ausstellungen gewidmet. Zu Recht, wie Marlene Militz konstatiert, hatte doch das ifa in Westdeutschland ein ganz ähnliches Aufgabenprofil wie das in der DDR gegründete Zentrum für Kunstausstellungen, dessen Bestand das bundesdeutsche Institut zwar übernahm, aber im Zuge der generellen Abwertung einer „Regime-Kunst“ in den Jahren nach der Wende gänzlich unbearbeitet ließ.

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12. August 2026

REFUGIEN DER ERINNERUNG Burcu Dogramaci über Ruinen auf der 61. Biennale von Venedig

Mit Blick auf eine Niedergangsrhetorik, die in politischen und Alltagsdebatten aktuell Konjunktur hat, scheint die Beschäftigung mit dem Ruinösen, wie sie sich auf der diesjährigen Biennale in Venedig beobachten lässt, zunächst wenig überraschend. Die hier reichlich referenzierten Ruinen dienen allerdings nicht der Illustration einer Larmoyanz über den Status quo, sondern der multidirektionalen Erinnerung an historische und gegenwärtige Kämpfe und Ausschlüsse sowie der Kritik an ihrem Vergessen. So Burcu Dogramaci, die sich anhand von drei Ausstellungen – dem Slowenischen Pavillon im Arsenale, der Gruppenschau „Still Joy“ auf Dorsoduro und dem Deutschen Pavillon in den Giardini – exemplarisch künstlerischen Strategien annähert, die Verfallenes und im Vergessen Begriffenes ins Werk setzen.

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TEXTE ZUR KUNST steht für kontroverse Diskussionen und Beiträge international führender Autor/innen über zeitgenössische Kunst und Kultur. Neben grundlegenden Essays bietet die 1990 in Köln von Stefan Germer (†) und Isabelle Graw gegründete und seit 2000 vierteljährlich in Berlin publizierte Zeitschrift Interviews, Gesprächsrunden und ausführliche Besprechungen zu Kunst, Film, Musik, Markt und Mode ebenso wie zu Kunstgeschichte, Theorie und Kulturpolitik. Seit 2006 erscheinen der umfangreiche, jeweils einem spezifischen Thema gewidmete Hauptteil sowie ausgewählte Besprechungen in Deutsch und Englisch. In jeder Ausgabe wird die Zeitschrift von international renommierten Künstler/innen mit exklusiven Editionen unterstützt.