STAUB DER GESCHICHTE Bianca Girbinger über José Montealegre in der Galerie Thomas Schulte, Berlin
In der Biologie versteht man unter Mimikry einen Vorgang, bei dem Lebewesen sich in Aussehen oder Verhalten anderen Arten angleichen, um Fressfeinden zu entkommen oder Beute anzulocken. Homi K. Bhabha bediente sich dieses Begriffs, um in kolonialen Kontexten Vorgänge zu beschreiben, bei denen die Kolonisierten Verhaltensweisen und Kulturtechniken der Kolonialmacht übernehmen – was meist nur teilweise gelingt und womit diese Art der Imitation in ihrer Partialität subversiv Machtstrukturen unterläuft. Bianca Girbinger beobachtet Anklänge dieser Strategie in den Arbeiten von José Montealegre, die bis vor wenigen Tagen in den Räumen der Galerie Thomas Schulte in der Potsdamer Straße gezeigt wurden. Indem der Künstler – manchmal kaum merklich – mit historischen und wissenschaftskanonischen Kontinuitäten bricht, sie de- und rekonstruiert und so neue Narrative schafft, führt er Girbinger zufolge den Betrachtenden die Brüchigkeit von Geschichte und Geschichtsschreibung vor Augen.
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